Zu Gast in Ghana - Malariaprophylaxe

Mai 26th, 2009

flagge1.jpgVor einer Reise nach Westafrika wird einem dringlichst zu einer Malariaprophylaxe geraten. So gehörte die Einnahme eines solchen Präparats ebenso zu den Reisevorbereitungen meines dreimonatigen Ghana Trips, wie die Gelbfieberimpfung. Doch Prophylaktikum ist hier nicht gleich Prophylaktikum. Nahezu die erste Frage, die mir in Ghana gestellt wurde, war: „Und? Nimmst Du Lariam?“ Die Bejahung wurde dann mit einem besorgten Gesicht und „Oh. Naja, gucken wir mal wie es Dir in einer Woche geht.“ beantwortet.

Ich muss gestehen, dass mich die aufgelisteten Nebenwirkungen von Medikamenten nie sonderlich beeindrucken und ich insgeheim davon ausgehe, dass diese nur für gebrechliche Menschen oder Hypochonder bestimmt sind. Da beides nicht auf mich zutrifft, habe ich mir auch bei dieser Malariaprophylaxe, die laut Packungsbeilage unter anderem paranoide Zustände und Verfolgungswahn hervorrufen kann, keine Sorgen gemacht. Als ich allerdings zwei Tage später die Übernachtung in einem Strandhaus in dem Örtchen Kokrobite damit verbrachte, aufrecht in meinem Bett zu sitzen und den Wind vor meinem Fenster für einen Mörder zu halten, der unaufhörlich „I´ll come and get you“ flüsterte, war der Entschluss die Tabletten abzusetzen doch recht schnell gefasst.

Zurück in Accra suchte ich dann die von meinem Institut empfohlene Ärztin auf, um mir ein anderes Medikament verschreiben zu lassen. Der Besuch bei Frau Dr. Ansafo-Mensah war schon ein kleines Erlebnis. Nachdem ich meinen Namen auf einen kleinen Zettel geschrieben hatte, kam eine nette Sprechstundenhilfe und maß mitten im Wartezimmer Blutdruck und Temperatur (unterm Arm, versteht sich). Das Fieberthermometer wurde dann, vor der Begegnung mit der Achselhöhle meines Sitznachbars, hygienischerweise mit einem Wattebausch abgewischt. Ja, lecker. Die Kommunikation zwischen Ärztin, Patienten und Sprechstundenhilfen erfolgte über Klingelzeichen. Einmal klingeln: Nächster Patient. Zweimal klingeln: Sprechstundenhilfe. Nach jedem „Einmal-Klingeln“ rückte man dann einen Stuhl weiter in Richtung Sprechzimmer. Zwischen Aufrücken und Warten konnte ich mir die Zeit damit vertreiben, die verschiedenen Plakate und Aufkleber zu studieren, die im Wartezimmer angebracht waren. Während ich mich fragte, was ich nun von der Kombination der Viagra-Werbung und dem daneben hängenden Verweis auf Safer Sex halten sollte, kniff mir die ganze Zeit ein niedliches, kleines Kind in den Arm und amüsierte sich königlich. Ja, schon witzig so eine weiße Frau. Zwei Stunden, ein paar Kniffe und „Einmal-Klingeln“ später bekam ich dann mein neues Medikament. Und obwohl ich den Arztbesuch wirklich ganz unterhaltsam fand, hoffe ich trotzdem, dass ich mich zukünftig wieder auf meine Nebenwirkungs-Resistenz verlassen kann.

Hjördis Hoffmann

Zu Gast in Ghana - Fußball

Mai 25th, 2009

Essien, Essien, Essien. Diesen Namen habe ich seit meiner Ankunft in Ghana fast häufiger gehört, als meinen eigenen. Und das liegt weniger daran, dass man meinen Namen hier nicht aussprechen kann, sondern viel mehr an der Tatsache, dass der ghanaische Fußballspieler, der zur Zeit für den FC Chelsea spielt, so etwas wie ein Nationalheld ist.

So sind die Aukleber der lokalen Fußballvereine, mit denen Taxifahrer zu verstehen geben, ob sie nun ein Fan des Tabellenführers Hearts of Oak oder des z.Zt. weniger erfolgreichen Teams Asante Kotoko sind, nahezu immer von einem Aufkleber des FC Chelsea begleitet. Da man hier in Accra recht häufig Taxi fährt und mein übliches Smalltalk-Thema, das Wetter, doch recht schnell langweilig wird („Tolles Wetter!“ – „Ja, natürlich! Wie immer.“), deute ich also immer auf den jeweiligen Aufleber und sage: „You like football, mh?“. Und schon ist man im Gespräch. Aufgrund der im Taxi sitzenden Deutschland-Ghana Kombination, landet man auch sehr schnell bei der WM 2006. Strahlend und euphorisch wird einem dann berichtet, was in Ghana los war, als das Nationalteam den erfolgreichen Underdog gab und seinem Land somit ein ganz eigenes Sommermärchen bescherte.

Dass Fußball in Ghana „ganz groß“ ist, hat man mir schon vor meiner Abreise aus Deutschland gesagt. Und seit dem Champions-League Halbfinale, dass ich am Mittwoch vor drei Wochen beim Public Viewing in Accra gesehen habe, weiß ich nun auch, was mit „ganz groß“ gemeint war. Das Spiel: Chelsea gegen Barcelona. Und wer schoss das erste Tor? Natürlich Essien. Die Stimmung, die dann im Innenhof der Accra Mall und auch vor den Fernsehern in den Geschäften ausbrach, lässt sich nur schwer in Worte fassen und daher möchte ich das an dieser Stelle auch gar nicht erst versuchen. Ich würde mich nun auch nicht als den größten Fußballfan aller Zeiten bezeichnen, aber nach diesem Abend stand eines für mich fest: mein Ghana-Aufenthalt wird fußballlastig.

Gesagt – getan. Am Sonntag darauf habe ich mir das Hearts of Oak Team im Ohene Djan Stadium in Accra angesehen. Und obwohl das Spiel gegen Essiens Jugendverein Liberty Professionals eher langweilig war, habe ich den Aufenthalt im Stadion sehr genossen. Denn hier liegt die Priorität ganz klar beim Fußball. Gute zwei Stunden, ohne angesprochen zu werden oder einen Heiratsantrag zu bekommen. Was soll ich am Strand? Das Fußballstadion ist seit dem mein persönlicher Ort der Ruhe und Entspannung.

Hjördis Hoffmann

Zu Gast in Ghana - Modehauptstadt Accra

Mai 24th, 2009

lokko.jpgWer denkt, dass sich Ghanas Modewelt nur um buntbedruckte Kleider dreht, liegt weit daneben. Ich bin eigentlich auch nicht davon ausgegangen, dass ich als kleiner Streetwear Addict in Ghana auf meine Kosten komme. Aber gerade was dieses Thema betrifft, lasse ich mich nur zu gerne eines Besseren belehren.

Beim Rumschlendern durch Accra bin ich auf „lokko08 – original ACC“ gestoßen. Nahezu alle T-Shirt-Motive nehmen, mehr oder weniger offensichtlich, Bezug auf Ghana und seine Hauptstadt und sollen somit den „local flavour“ der Marke betonen. Und da ich eine überzeugte Unterstützerin der These „Jedes Souvenir, das man anziehen kann, ist ein gutes Souvenir“ bin, konnte ich es natürlich nicht verantworten den Laden ohne ein neues Shirt zu verlassen.

Generell sollte man die Bedeutung, die Ghana für die afrikanische Modewelt hat, nicht unterschätzen. So lädt Accra vom 01. bis zum 04. Juli 2009 mit dem Ghana Fashion Weekend zu einem der größten Mode Events in Westafrika ein. 30 Designer aus Afrika, den USA und England werden sich die Ehre geben und ihre Kollektionen auf einer der zahlreichen Modeschauen und –austellungen präsentieren. Und das Vertrauen der Ghanaer in ihre Modeszene ist groß. So geht die Tourismusministerin Ghanas davon aus, dass sich Accra in den nächsten Jahren zur Modehauptstadt Afrikas entwickeln wird. Man darf gespannt sein.

Hjördis Hoffmann

Zu Gast in Ghana

Mai 22nd, 2009

img_5599.jpgWenn meine Familie und meine Freunde etwas an mir ändern dürften, dann wäre es wahrscheinlich die Eigenschaft, mich nur allzugerne dem Fernweh hin- und ihm so oft es geht auch nachzugeben. Da ich mich als dickköpfiger Widder jedoch nicht gerne ändern lasse (und dafür lieben sie mich ja eigentlich auch), gab es nach meinem Bachlor-Abschluss nicht viel, was mich davon hätte abhalten können, Deutschland wieder für einige Zeit zu verlassen. Und frei nach dem Motto “wenn schon denn schon”, sollte es auch bitte kein europäisches Land sein, sondern eines, das man erst einige Flugstunden und, aufgrund meiner Flugangst, auch einige Panikattacken später erreicht: Ghana. Es liegen also drei Monate in dem Land vor mir, das gerne als Vorzeigeland Westafrikas betrachtet wird. Und da ich schon als Kind gelernt habe, dass Teilen etwas sehr schönes ist, möchte ich meine Erlebnisse natürlich nicht für mich behalten. Und daher gibts hier im Gazelle Blog alles zu lesen :-)

Hjördis Hoffmann

“Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden”

März 12th, 2009

Ein etwas zu langer Name für einen Feiertag? Nun, genau so heißt aber der fast 100-jährige Weltfrauentag eigentlich. In diesem Jahr zelebrierte der internationale Frauentag, um ganz genau zu sein, seinen 99. Geburtstag. Zwar steigt das Alter des Tages, der für Gleichberechtigung Freiheit und Frieden steht, seine Notwendigkeit verliert jedoch auch heute nicht an Bedeutung.(hb)

Die Anfänge der Entstehung des Weltfrauentages führen uns ins Jahr 1910 in die Hauptstadt Kopenhagen. Hier wird erstmals der Vorschlag eines Frauentages gemacht, allerdings ohne Bestimmung eines konkreten Datums. Im Jahr 1921 wird schließlich der 8. März zum “Internationalen Frauentag” erklärt zu Gedenken an den 8. März 1917, an dem russische Arbeiterfrauen für bessere Lebensbedingungen streikten und somit Auslöser für die Februarrevolution wurden.Der kommunistische Beigeschmack des Frauentages, der in Deutschland erstmals am 19. März 1911 gefeiert wurde, war Grund genug um ihn hierzulande zwischen 1933 und 1945 zu verbieten. Eine Alternative war allerdings schnell gefunden. Getreu dem Motto ” Auch Mütter sind Frauen” , wurde der Muttertag im nationalsozialistischem Deutschland zum Feiertag der Frau und des Volkes.Aber selbst nach 1945 drohte die Bedeutung des Frauentages allmählich zu verschwinden, er geriet in Vergessenheit oder man maß ihm nicht den Rang zu, der ihm zustand und ihn ursprünglich ehrte, nämlich der Kampf gegen Ungerechtigkeit in Zeiten riesigen Aufruhrs. So verdanken wir es den neuen Frauenbewegungen und -organisationen, die Ende der 60er wieder und wieder Aufklärungsarbeit leisteten und Tatendrang bewiesen, so dass der Internationale Frauentag heute tatsächlich INTERNATIONAL ist. Knapp 100 Jahre später erinnern wir uns an Clara Zetkin, die sich erstmals für einen Frauentag einsetzte, an die russischen Soldatenfrauen und an unermüdliche Kämpferinnen, die wussten, dass wir mehr verdienen. Ironischerweise feiert dieses Jahr auch Barbie einen runden Geburtstag. Die schöne Blondine wird zwar 50 jedoch kein Stück älter. So ist es vielleicht ein Wink des Schicksal, dass sogar Barbie, die Antiheldin der Frauenbewegung sich mit der Zeit emanzipierte.

Johnnys Jihad - American Taliban und Kurt Z. Weill Chanson Hommage

Januar 19th, 2009

Eintrittskarten zu gewinnen!

Am 22. Januar um 20 Uhr zeigt das Katakomben Theater in Essen das Stück Jonnys Jihad. In dem ein junger US-Amerikaner, der den Glauben an die westlichen Werte verloren und neue Werte im Islam gefunden hat. John sucht das Abenteuer und den wahren Zugang zum Koran im Jemen, in Pakistan und Konvert. u Beginn der Kampfhandlungen zwischen afghanischer Nordallianz und Taliban schon gefangen genommen, überlebt er den blutigen Gefängnisaufstand von Masar i Sharif und sieht sich unversehens einem Landsmann gegenüber. Der Special-Forces-Agent Dave Tyson ist fassungslos einen „American Taliban“ als Feind vor sich zu haben und skrupelt noch, ob er ihn vom Nordallianz-General Dostum foltern läßt…Ein Politkrimi, ein an Shakespeare erinnernder Text in einem packenden Kammerspiel, in dem Sprache unterstützt von indischer Percussion zur Musik wird und die Grundthemen, wie „westliche Werte“ gegen Folter, muslimischer Fanatismus gegen Stammesmachtinteressen verhandelt werden.

Kurt Z. Weill Chanson Hommage

Außerdem gedenkt das Theater am 06. Februar um 20 Uhr den legendären Chansons Kurt Wells. Einzigartig schaffte Kurt Weill die Verbindung von „leichter“ und „schwerer“ Musik und begründete nebenbei noch das amerikanische Musiktheater. Sein größter Erfolg ist und bleibt aber die Dreigroschenoper. An diesem Abend spiegelt sich in Susanne Zinsius´ Programm „kurt.z.weill“ die Vielseitigkeit von Kurt Weill eindrucksvoll wieder.
Susanne Zinsius entführt ihre Zuhörer ins Berlin der späten 20-er Jahre sowie ins Pariser Exil oder an den New Yorker Broadway der Nachkriegszeit.

Für beide Veranstaltungen verlost Gazelle jeweils 1×2 Eintrittskarten. Einsendeschluss ist der 21. Januar. Bitte senden Sie uns Ihren vollständigen Namen an gewinn@gazelle-magazin.de. Im Betreff wählen Sie bitte entweder Kurt Weill oder Johnnys Jihad. Viel Glück!

 

Im Kino: Chandni Chowk to China

Januar 14th, 2009

Chandi Chowk to ChinaStraßenkoch Sidhu (Akshay Kumar) aus Chandni Chowk, einem quirligen Basarviertel in Delhi, ist das Gemüseschneiden satt. Als zwei Chinesen in ihm die Reinkarnation des legendären Kriegshelden Liu Cheng erkennen, beginnt für Sidhu das größte Abenteuer seines Lebens: eine Reise von Chandni Chowk nach China. Dort erwartet ihn weit mehr als nur Ruhm und Ehre. Denn eigentlich soll er Gangsterboss Hojo (Gordon Liu) zur Strecke bringen. Bewaffnet mit einem weisen Kung-Fu-Meister, dem Glauben an sich selbst und der Liebe der schönen Sakhi (Deepika Padukone) macht er sich auf, seine Bestimmung zu erfüllen.

Den Trailer sehen sie hier.

In folgenden Städten ist der Film zu sehen:

15.01.2009 - 21.01.2009
Turmpalast, Frankfurt
15.01.2009 - 21.01.2009
CineStar Original , Berlin
15.01.2009 - 21.01.2009
Filmpalast, Köln
15.01.2009 - 21.01.2009
Museum Lichtspiele, München
16.01.2009
Metropolis im Savoy, Hamburg
22.01.2009 - 28.01.2009
Babylon Berlin:Mitte, Berlin

Lesung: Bilder eines Vaters

Januar 14th, 2009

Bilder eines VatersImmer wieder gelingen der Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung, Christiane Kohl, bei ihren zeithistorischen Recherchen Aufsehen erregende Funde. Anhand von alten Aufzeichnungen, die jahrzehntelang auf einem Dachboden lagerten und dem Berliner Großbürgersohn Reinhold Meyer gehörten, dem Spross einer Familie von Bankiers und Kunstmäzenen, erforscht die Autorin in ihrem aktuellen Buch Bilder eines Vatersdas Schicksal dieser verfolgten und enteigneten deutsch-jüdischen Familie und ihrer hochkarätigen Kunstsammlung mit Gemälden von Lovis Corinth, Max Liebermann und Adolph Menzel.

Im Jüdischen Museum wird Christiane Kohl ihr Buch Bilder eines Vaters in Wort und Bild vorstellen und von ihrer kriminalistischen Spurensuche und die bis in die Gegenwart skandalösen Aspekte von millionenschwerer Ausplünderung und schamloser Bereicherung durch die Nationalsozialisten berichten.

Zur Autorin: Christiane Kohl studierte Politik und Germanistik, arbeitete als Bonner Korrespondentin des ‚Kölner Express’ und später als Pressesprecherin im Hessischen Umweltministerium. Von 1988 bis 1998 war sie Redakteurin und Reporterin beim ‚SPIEGEL’. Von 1999 bis zum Sommer 2005 berichtete sie als Italien-Korrespondentin der ‚Süddeutschen Zeitung’ aus Rom. Heute lebt sie als SZ-Korrespondentin in Dresden. Zu ihren Bucherfolgen gehören u.a. ‚Der Jude und das Mädchen’, ‚Villa Paradiso’ und ‚Das Zeugenhaus’.

Die Lesung findet am am 22. Januar 2009 um 19.00 Uhr im Auditorium vom Jüdischen Museum Berlin in der Lindenstr. 9-14, Berlin statt.

Der Eintritt ist frei.

Lesung: Mütter sind auch Menschen

Dezember 1st, 2008

Mütter sind auch MenschenDie Mutterbindung ist die erste Beziehung jedes Menschen. Sie legt grundlegende Beziehungsmuster und beeinflusst alle folgenden Beziehungen, auch jede Liebesbeziehung.
Häufig sind Mutter-Tochter-Beziehungen oft gekennzeichnet von Schuldzuweisungen, Wut und unerfüllten Erwartungen. Mit Hilfe neuester Erkenntnisse aus Bindungs-, Hirnforschung und Traumatherapie versucht die Autorin zu erklären, wie überwältigende Ereignisse wie etwa Krieg und Gewalt das Verhältnis zwischen Müttern und Töchtern, Eltern und Kindern nachhaltig beeinflussen. In Gesprächen mit Expertinnen und Müttern und Töchtern arbeitet sie heraus, was die Liebe zwischen beiden oft so schwierig macht und wie eine respektvolle Loslösung und gegenseitige Annahme aussehen könnten. Ein Plädoyer für eine freie, erwachsene und respektvolle Beziehung zwischen Müttern und Töchtern.

Die Autorin Claudia Haarmann arbeitete lange Zeit als freie Journalistin in Hörfunk und Fernsehen. Ist heute als Psychotherapeutin (HP) mit den Schwerpunkten Traumatherapie, Konfliktbearbeitung, Systemaufstellung und Körpertherapie tätig.

Am 4. Dezember 2008 um 19 Uhr liest sie im Auswärtiges Amt/Fritz-Kolbe-Saal, Werderscher Markt 1, 10117 Berlin im Rahmen der Berlin-Brandenburgischen Buchwochen. Der Eintritt ist frei.

Initiative “Neue deutsche Medienmacher” gegründet

November 29th, 2008

In der deutschen Medienwelt gehören JournalistInnen mit Migrationshintergrund einer Minderheit an. Die Initiative Neue deutsche Medienmacher will dies unter anderem durch Nachwuchsförderung ändern.

Am 28. November 2008 gründete sich die Initiative Neue deutsche Medienmacher, der erste bundesweite Zusammenschluss von JournalistInnen mit Migrationshintergrund. Er ist unabhängig, nationalitäten- und konfessionsübergreifend und dient als Interessenvertretung für JournalistInnen “mit dem großen M.” Die Mitglieder eint das Ziel, die Vielfalt der Einwanderungsgesellschaft in der Berichterstattung besser wiederzugeben - auch in den Redaktionsräumen. Denn obwohl jede/r fünfte EinwohnerIn im Land einen sogenannten Migrationshintergrund hat, gilt das nur für jede/n fünfzigste/n JournalistIn.

“In deutschen Redaktionen herrscht eine Monokultur”, sagt Marjan Parvand, Redakteurin bei der ARD-Tagesschau, “als Initiative von unten wollen wir das ändern”. JournalistInnen nichtdeutscher Herkunft in den Redaktionen: das müsse endlich eine Selbstverständlichkeit und Normalität werden.

Die Neuen deutschen Medienmacher haben genug von sinnlosen Stereotypen im Medienalltag: Der Schläger Ali, die zwangsverheiratete Fatma oder der Hauptschüler Hassan, dessen Karriere als Drogenhändler vorbestimmt scheint: sie sind die tragischen Medienstars in Deutschland. Diese einseitige Darstellung von ZuwandererInnen in den Medien ist für die Mitglieder der Initiative nicht länger hinnehmbar. Die Neuen deutschen MedienmacherInnen wollen AnsprechpartnerInnen für interkulturellen Journalismus sein.

Als JournalistInnen, RessortleiterInnen, ChefredakteurInnen, BildredakteurInnen, Kameramänner und -frauen mit Migrationshintergrund wollen sie sich langfristig gegen diskriminierende und oberflächliche Berichterstattung wehren. Sie wollen sich einsetzen, nicht für eine beschönigende, sondern für eine realistische und sorgfältig recherchierte Berichterstattung über MigrantInnen in Deutschland.

Kemal Hür, freier Journalist aus Berlin, fordert außerdem, dass die Integration von JournalistInnen mit Zuwanderungsgeschichte auf Augenhöhe geschehen muss: “Wie selbstverständlich wurde ich immer als Experte für Migrationsthemen oder als `Türke vom Dienst´ behandelt. Nie wurde ich gefragt, ob ich des Türkischen überhaupt mächtig bin oder welche anderen Themengebiete ich bearbeiten will.”

Damit in Zukunft mehr Kolleginnen und Kollegen mit Migrationshintergrund vor und hinter der Kamera, dem Mikrophon und an Redaktions-Schreibtischen vorzufinden sind, plant die Initiative die Förderung von interkulturellem Nachwuchs.

“Ich wollte Journalistin werden, seit ich denken kann”, sagt Özlem Sarikaya vom Bayrischen Rundfunk, “doch ich hätte nie daran geglaubt, das zu schaffen”. Sarikaya weiter: “Ich hatte keinen blassen Schimmer, wie man dahin kommt und ich kannte auch niemanden, der mir dabei hätte helfen können.” Genau bei diesem ersten Schritt könnten die Neuen deutschen MedienmacherInnen heute schon helfen und Kontakte herstellen.

“Bei Jugendlichen aus Zuwandererfamilien muss man das Selbstbewusstsein stärken und ihnen klar machen, dass ihr Platz nicht automatisch am Rand der Gesellschaft ist”, so Sarikaya.

Weitere Infos zur Initiative Neue deutsche Medienmacher finden Sie unter: www.neue-medienmacher.de