Archive for the ‘Kultur’ Category

My Name Is Khan - Tickets zu gewinnen!

Freitag, Juni 11th, 2010

Ein neuer Film des Bollywood-Königs Shahrukh Khan. Ein Mann, dem die ganze Welt zu Füßen liegt. Ein Mann, gegen den George Clooney einpacken kann. Ein in den Himmel gejubelter Film-Gott der alles kann und alles darf. Nur so lässt sich auch sein neuestes Leinwand-Werk erklären. Solch einen wilden Film-Stilmix hat die Kino-Welt noch nicht gesehen. Aber der Mann aus Neu-Delhi darf das. Und wirr dürfen ihm dabei ab sofort im Kino zusehen.

 

Ein indischer Filmgott ist in der Stadt. Helle Aufregung in einem Berliner Kaufhaus, während der Berlinale. Der Gazelle-Autor, der hier die Mittagspause zum Einkaufen nutzt, wird von zwei nervösen Damen angesprochen, beide fein herausgeputzt, beide ungefähr Ende 40. „Haben Sie Khan schon gesehen?“ Khan? Ich runzle die Stirn. Jetzt merke ich: Mein Berlinale-Ausweis verrät mich. Wir kommen ins Gespräch. Die beiden Damen haben eine 600 Kilometer lange Autofahrt hinter sich. Wohin sie jetzt wollen, wissen sie nicht genau. Aber was sie wollen: Shah Rukh Khan sehen, ihm möglichst ganz nahe sein. Bei der Erwähnung seines Namens werden die beiden Damen so nervös und aufgeregt, dass die Befürchtung aufkommt, beide fallen gleich in Ohnmacht. Dies ist aber kein Einzelfall. Dem Bollywood-Helden liegen ganze Heerscharen von Frauen zu Füßen, reisen, wie bei der Berlinale-Premiere von „My Name Is Khan“ hunderte Kilometer, nur um den indischen Mega-Star einmal zu Gesicht zu bekommen.

 

Der 11. September verändert alles

 

„In My Name Is Khan“ spielt Khan einen in den USA lebenden muslimischen Immigranten mit Asperger-Syndrom. Normalerweise wird er in all seinen Filmen durchweg angeschmachtet, hier probiert er sich als Charakterdarsteller. Kein schlechter Versuch. Doch ein Shahrukh wäre nun mal kein Khan, wenn auch hier nicht das altbekannte einträte: Reihenweise fliegen Khan die Filmherzen zu. Das einer alleinerziehenden, hinduistischen Mutter erobert er im Sturm und die beiden treten vor den Traualtar. Es scheint, als hätte es Khan (so auch sein Filmname) in den USA geschafft. Doch dann geschieht ein Ereignis, dass den Film blitzsauber in hell und dunkel trennt. 9/11. Nach den Anschlägen des 11. September wird Khans Stiefsohn von Mitschülern so schwer misshandelt, dass er seinen Verletzungen erliegt. Die Mutter ist untröstlich. Sie bringt ihren Mann dazu, fortzugehen, und den US-Präsidenten persönlich davon zu überzeugen, kein Terrorist zu sein. Erst dann soll er wieder zu ihr zurückkehren.

 

So beginnt eine jahrelange Odyssee, die stark an Forrest Gump erinnert. Der Filmheld streift dabei fast alle amerikanischen Großereignisse der jüngsten Zeit, selbst Hurrikan Katrina darf en bisschen wüten. Khan streift aber auch alle Film-Genres. Lovestory, Komödie, Sozialdrama, es ist für jeden etwas dabei. Lachen, Weinen, absurde, fast unmögliche Wendungen in der Handlung. Aber, wie schon erwähnt: Ein Khan darf das, und er macht seine Sache gut. Die sonst üblichen Bollywood-Tänze gibt es diesmal nicht, dennoch wird nicht an gefühlsduseliger Musik gespart. Dennoch: Trotz vieler Kritiker, die sagen: „Geht nicht.“ Khan gucken geht immer! Zumal dieser Film mit 126 Minuten deutlich kürzer ist, als viele andere Streifen aus Bollywoods Traumfabrik.

 

Aufgepasst! Gazelle verlost 6×2 Kino-Tickets! Sechs Gazelle-Leserinnen und Leser haben also mit ihrer Begleitung die Chance auf 126 Minuten Shahrukh Khan. Schreiben Sie eine Mail mit gewinn@gazelle-magazin.de

Einsendeschluss ist der 20. Juni 2010. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

 

Tobias Render

Hiba al Kawas im Portrait

Freitag, April 30th, 2010

Vom 20. März bis zum 7. April fand zum 7. Mal das Abu Dhabi Festival statt, eines der größten Klassik-Festivals der Welt. In diesem Jahr sollte ein Novum stattfinden: die libanesische Sängerin und Komponistin Hiba al Kawas war als Dirigentin angekündigt. Somit wäre al Kawas die erste Frau aus der arabischen Welt, der diese Ehre zugeteilt worden wäre. Das hat leider nicht geklappt, was uns natürlich nicht daran hindert, die Ausnahmekünstlerin einmal vorzustellen.
Hiba al Kawas wurde 1972 in Saida (Libanon) geboren und studierte dort klinische Psychologie. In ihrem weiterführenden Studium beschäftigte sie sich mit Operngesang und wurde dafür vom Lebanese National Higher Conservatory ausgezeichnet. Heute ist Hiba al Kawas ein Mitglied des Konservatoriums.
Ihre Liebe zur Musik führte sie auch nach Italien. Dort arbeitete sie lange und intensiv mit dem berühmten Tenor Carlo Bergonzi und dem Komponisten Maestro Franco Donatoni.
Hiba al Kawas singt vor allem über ihre Heimat, dem Libanon. Sie singt von der Furcht der Menschen während der Kriege, sie singt davon, wie schlimm es ist zu sehen, wie ihr Geburtsort vom Bürgerkrieg aufgefressen wird. Ihr bekanntestes Lied über den Libanon ist „areftu bayrut“ – ich habe Beirut gekannt. Die Tochter einer Syrerin und eines Saudi, die in Abu Dhabi mit einem Geschäftsmann aus Bahrein verheiratet ist, versucht mit ihren Liedern das Lebensgefühl der Libanesen wiederherzustellen und die Schönheit ihres Landes zu betonen.

Heute arbeitet Hiba al Kawas unter anderem als Dozentin an der Lebanese University, sie übernimmt die musikalische Leitung am Teachers´ Training College für Musik in Beirut, sie ist Mitglied des High National Committee of Music der UNESCO und zudem Mitglied des nationalen Kommitees für Wissenschaft, Erziehung und Kultur.

Das Abu Dhabi Festival wurde in diesem Jahr durch den tragischen Tod von Scheich Ahmed Bin Zayed Al Nahyan überschattet, dem Bruder des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Kalifa bin Zayed Al Nahyan. Während der dreitägigen Staatstrauer wurden auch Konzerte des Festivals gestrichen. Davon betroffen waren „Pictures Reframed“ von Leif Ove Andsnes und Robin Rhode sowie das Chopin-Konzert des chinesischen Pianisten Yundi Li.

von Sahar Sarreshtehdari

Mercedes Benz Fashionweek 1. - 4. Juli 2009

Montag, Juli 13th, 2009


Letzte Woche war es wieder soweit – Mercedes Benz Fashion Week in Berlin -  ich bin immer noch nicht ganz akklimatisiert. Neben einschlägigen Kandidaten wie Minu Barati Fischer, Heike Makatsch, Julia Stegner und Matthias Schweighöfer, durfte also auch ich mich ins Getümmel stürzen und ein bisschen exklusives VIP-Feeling geniessen. (Naja, halt immer etwa aus Reihe 4 -17, aber immerhin) Los ging es am Dienstagabend mit der Eröffnung der Modemesse Bread & Butter in der Berliner Columbiahalle. Dem Unwetter, das draußen tobte, nicht wirklich entkommen, fieberten wir also nass und vom Rennen verschwitzt dem Auftritt von Mando Diao entgegen. Derart zugerichtet habe ich mich aber nur ganz kurz fehl am Platz gefühlt. Letztendlich fand ich meine Aufmachung bzw. meinen Zustand dann doch sehr authentisch für ein Rockkonzert.

Weiter ging es am nächsten Morgen mit der Marcel Ostertag Show. Nach dem Sieg beim Karstadt New Generation Award 2008 zeigte er bereits zum dritten Mal seine Entwürfe im Zelt am Bebelplatz. Der Designer widmete sich in seiner Kollektion Spring/ Sommer 2010 „Der Natur. Strukturen und Farben, Mixturen von Gesteinen und Licht“ Das gefiel ganz gut – und mir besonders ein nachtblaues Seidenhosen-Fransenoberteil Ensemble (oder waren es Federn? Ich saß wohl einfach doch zu weit hinten).

Wer dann – wie meine Wenigkeit – erst wieder Tickets für eine der späteren Shows hatte, konnte sich die Zeit hervorragend mit dem Besuch einer der vielen frei zugänglichen Veranstaltungen rund um die Fashion Week vertreiben. Beispielsweise der Berliner Showroom Meile im Peek & Cloppenburg am Kudamm, dem GREENshowroom im Hotel Adlon, oder dem vierten ‚Wedding Dress’ Modefestival mit Streetstyle-Show und Designern wie Comtesse de la Haye oder Kilian Kerner. Letzterer entwirft seit Neuestem übrigens auch im Team mit oben genanntem Herrn Schweighöfer, MTV VJ Joko Winterscheidt und Sebastian Radlmeier Shirts unter dem Namen ‚German Garment’.

Pünktlich zurück zur 18 Uhr Show von Patrick Mohr stellte sich heraus, dass der vorbildliche Fachbesucher sich vor dem Beiwohnen einer Präsentation vielleicht auch mal ein wenig ausführlicher mit dem Konzept hinter dem Design beschäftigen sollte. Ich hatte mich zwar im Internet mit Mohr, seiner Biografie und Philosophie vertraut gemacht, war dann aber doch höchst irritiert, als mein Freund Agoe mir vor Showbeginn ein Exemplar des ‚Strassenfegers’ in die Hand drückte, welches er am Eingang erhalten hatte. Aufklärung erhielt ich, sobald die ersten Models den Laufsteg betraten: Statt den gewohnten Laufsteg-Elfen schritten von der Straße gecastete Obdachlose in den avantgardistischen Kreationen des ehemaligen Henrik Vibskov Schülers über den Catwalk. Das konnte man am Ende finden wie man wollte (fehl am Platz oder spannender konstruktivistischer Ansatz), Aufmerksamkeit und PR waren dem Designer sicher.

Im Anschluss ging es zum evian-Empfang im Weekend. Als bekennender Couch-Potatoe – Schande über mein Haupt – war ich zum ersten Mal in dem Club am Alex und daher angemessen überwältigt vom atemberaubenden Ausblick, den man von der Dachterrasse im 16. Stock aus genießen konnte. Spätabends zog es uns zur Reebok Party in die Villa in der Landsberger Allee. Ich würde sagen, so lässt sich ein Schuh doch angemessen feiern…

Donnerstagnachmittag dann eines meiner persönlichen Fashion Week Highlights: Die Show des Labels LaLa Berlin. Ich liebe die Entwürfe der iranischstämmigen Designerin Leyla Piedayesh inniglich und lege seit nunmehr zwei Jahren jeden zu entbehrenden Cent für den Erwerb eines ihrer berühmten Cashmere-Tücher zurück. Frau Piedayesh enttäuschte in keiner Hinsicht – ich hätte jedes der in Schwarz, Pink und Nudetönen gehaltenen Kollektionsteile vom Fleck weg in meinen Kleiderschrank integrieren können. Die traurige Tatsache, dass ich weder Karten für die nachfolgende Strenesse-Show, noch Custo Barcelona oder Boss Orange ergattern konnte, feierte ich am Abend einfach auf der Puma-Party am Tauentzien und dem Premium & Friends Event der gleichnamigen Modemesse weg. Mit Cranberrysaft und Grillwürsten trotzten wir unverwüstlich dem immer wieder einsetzenden Platzregen.

Leider hielt sich das Wetter auch in den nächsten Tagen nicht wirklich – entweder war es unerträglich schwül oder löste sich die angestaute Hitze in Gewitter- und Regenstürmen auf. Klimatechnisch für alles bereit und nahezu ‚profi-globetrottermäßig’ ausgerüstet, besuchte ich am Freitag die Bread & Butter auf dem historischen Gelände des Flughafens Tempelhof. Leider ein bisschen zu spät, der Abbau war schon in vollem Gange. Liebend gerne hätte ich mir für nationale und internationale Aussteller wie Moschino, Modström, Zoo York oder Lee etwas mehr Zeit genommen. Michalsky um 21 Uhr im Friedrichstadtpalast war für mich ebenso wie die größeren Shows am Vorabend bedauerlicherweise nicht zu realisieren. Also bin ich zu Hause geblieben, um dem krönenden Abschluss meiner Fashion Week Woche am nächsten Tag entgegenzufiebern: ‚Bridal Couture’ des Berliner Labels Kaviar Gauche.

Bevor mich Alexandra Fischer-Roehler und Johanna Kühl allerdings überzeugten, wenn überhaupt, dann nur in ihrem Design zu heiraten, machte ich mich Samstag aber noch auf den Weg ins Hotel de Rome zur Pressekonferenz des vom Goethe Institut initiierten Createurope: The Fashion Award. Der alljährlich stattfindende Wettbewerb für Jungdesigner wurde diesmal um Bewerber aus Nordafrika und dem mittleren Osten ausgeweitet. Die diesjährigen Finalisten stammen unter anderem aus Bulgarien, Spanien, Marokko und Israel. Neben der großartigen Architektur der Location beeindruckte mich vor allem die ungekünstelte und offene Art Dirk Schönbergers, verantwortlich für das Design des Modelabels JOOP! und Schirmherr des Events. Spontan, aufgeschlossen und witzig stellte er sich den Pressefragen. Leidgetan hat mir der arme Abgesandte des Sponsors Quelle, der sich ausschließlich mit den Gerüchten um sein Unternehmen herumschlagen musste: Geht Quelle pleite? Warum wird der Katalog nicht versandt? Woher das Geld für das Sponsoring? Krise hin, Krise her – ich bin im Anschluss, stimuliert von so viel kreativem Schaffen (die Lookbücher der jungen Designer waren im Hotel ausgestellt worden), erstmal ein bisschen shoppen gegangen.

Um 14 Uhr dann weitere Inspiration – besagte Kaviar Gauche Show: Volles Zelt, hochkarätige Gäste und ich dank schwangerer Begleitung mit Sitzplatz in vorderster Front. Übrigens auch mit hervorragender Sicht auf Boris Becker und seine Herzensdame Lilly. Frau Becker, Ex Kerssenberg, sieht - nebenbei bemerkt - trotz Augenringen toll aus. Wahrscheinlich hätte ich die bei der ganzen Hetzerei rund um die Welt aber erstens auch. Zweitens – und viel relevanter – haftete mein Blick aber auch nahezu durchgehend auf der mittlerweile 70 jährigen (!!!) Warhol-Freundin und Modelikone Veruschka Gräfin von Lehndorff. Wenn die Frau was hat, dann Ausstrahlung! Los ging es schließlich zu den zarten Klängen von Jane Birkins ‚Je t’aime, moi non plus’, um dann paradoxerweise zu Rammstein zu wechseln. Das machte mir aber rein gar nichts – verzückt rief ich meiner Sitznachbarin Kristina bei jedem Stück ‚Das MUSS ich haben’ zu und konnte mich auch nach der frenetisch umjubelten Präsentation noch nicht wirklich beruhigen. Es ist kein Zufall, dass Kaviar Gauche seit der Gründung 2003 zu einem der international renommiertesten deutschen Label zählt!

Zusammengefasst haben sich Hektik und Dauermüdigkeit definitiv bezahlt gemacht – insgesamt gab es 33 Shows an vier Tagen. Ich hatte eine randvolle, spannende, aufschluss- und erkenntnisreiche Woche. Klar kann sich noch viel tun und ist Berlin nicht Paris oder Mailand. Aber die Stadt braucht sich auch nicht zu verstecken, hat sie doch sogar laut Suzy Menkes (und eine einflussreichere Modekritikerin fällt mir beim besten Willen nicht ein) ‚Mode im Blut’!

by Sarah- Janina Khayati

hier noch ein paar visuelle Eindrücke:

LaLa Berlin, Kaviar Gauche,

Ehepaar Becker & German Garment

ss10_lalaberlin_2501.jpgss10_kaviargauche_2392.jpg_nf_0002_0061.jpg09c546_019_0011.jpg

by Sarah-Janina Khayati

Photos by Mediaforum / Mercedes Benz Fashionweek Berlin

Zu Gast in Ghana - Environmental Film Festival of Accra

Montag, Juni 22nd, 2009

img_5789.gifUnter dem Slogan „Keep Ghana Clean“ fand in diesem Monat das fünfte Environmental Film Festival of Accra (EFFA) statt. Wie der Name des Festivals bereits verrät, lag der Fokus der Filme, die in diesem Kontext präsentiert wurden, auf dem Thema Umwelt bzw. Umweltverschmutzung. Nachdem letztes Jahr das Wasser seinen großen Auftritt hatte, gebührte 2009 alle Aufmerksamkeit dem Abfall. Mit Filmen wie „Ghana´s Plastic Waste Menace“, „Addicted to Plastic“ und „How safe is food grown in our city?“ sollte nicht nur ein Einblick in die problematische Abfallsituation Ghanas und deren Folgen geschaffen, sondern vor allem an das Umweltbewusstsein der Ghanaer appelliert werden.

Und dass das notwendig ist, kann ich leider nur bestätigen. Nehmen wir zum Beispiel einen typischen Lebensmitteleinkauf. Wenn ich in ein und demselben Laden frisches Brot, Eier, etwas Gemüse und Wasser einkaufe, also vier Produkte, erhalte ich mindestens genausoviele Plastiktüten. Das Brot, welches bereits in Plastik verpackt ist, wird, ebenso wie die Eier und das Gemüse, von der Verkäuferin in eine kleine extra Plastiktüte getan, um anschließend mit dem Wasser in einer großen Plastiktüte zu landen. Schon etwas gewöhnungsbedürftig für eine Person, die seit dem sie klein ist auf Stofftüten getrimmt wird.

Und wo wir schon einmal bei Plastik sind: Ghana hat ein Sachet Problem! Was das ist? Für umgerechnet 3 Cent kann man hier an jeder Ecke kleine versiegelte Plastikbeutel mit “pure water”, also Trinkwasser, erhalten, die dem durstigen Menschen die Reinheit des Wassers garantieren sollen. Und da es hier kaum Mülleimer gibt, landen die Sachets, nachdem man an der einen Ecke ein kleines Loch in den Beutel gebissen und diesen leer getrunken hat, meistens irgendwo auf der Straße.

Doch auch dem Abfall kann hier etwas Gutes abgewonnen werden. Im Rahmen des EFFA fand die Trashy Cloths Show statt. Drei ghanaische Designer haben sich Accras Müll vorgeknöpft und daraus Kleidung, Taschen und Accessoires entworfen. Auch die Sachets fanden hier, in Form von Regenmänteln und –schirmen, ihren Auftritt. Und neben dem ein oder anderen Male Model (Ja, meine lieben Damen, Neid ist durchaus angebracht!), konnten sich auch einige Kleidungsstücke tatsächlich sehen lassen.

by Hjördis Hoffmann 

Zu Gast in Ghana - Malariaprophylaxe

Dienstag, Mai 26th, 2009

flagge1.jpgVor einer Reise nach Westafrika wird einem dringlichst zu einer Malariaprophylaxe geraten. So gehörte die Einnahme eines solchen Präparats ebenso zu den Reisevorbereitungen meines dreimonatigen Ghana Trips, wie die Gelbfieberimpfung. Doch Prophylaktikum ist hier nicht gleich Prophylaktikum. Nahezu die erste Frage, die mir in Ghana gestellt wurde, war: „Und? Nimmst Du Lariam?“ Die Bejahung wurde dann mit einem besorgten Gesicht und „Oh. Naja, gucken wir mal wie es Dir in einer Woche geht.“ beantwortet.

Ich muss gestehen, dass mich die aufgelisteten Nebenwirkungen von Medikamenten nie sonderlich beeindrucken und ich insgeheim davon ausgehe, dass diese nur für gebrechliche Menschen oder Hypochonder bestimmt sind. Da beides nicht auf mich zutrifft, habe ich mir auch bei dieser Malariaprophylaxe, die laut Packungsbeilage unter anderem paranoide Zustände und Verfolgungswahn hervorrufen kann, keine Sorgen gemacht. Als ich allerdings zwei Tage später die Übernachtung in einem Strandhaus in dem Örtchen Kokrobite damit verbrachte, aufrecht in meinem Bett zu sitzen und den Wind vor meinem Fenster für einen Mörder zu halten, der unaufhörlich „I´ll come and get you“ flüsterte, war der Entschluss die Tabletten abzusetzen doch recht schnell gefasst.

Zurück in Accra suchte ich dann die von meinem Institut empfohlene Ärztin auf, um mir ein anderes Medikament verschreiben zu lassen. Der Besuch bei Frau Dr. Ansafo-Mensah war schon ein kleines Erlebnis. Nachdem ich meinen Namen auf einen kleinen Zettel geschrieben hatte, kam eine nette Sprechstundenhilfe und maß mitten im Wartezimmer Blutdruck und Temperatur (unterm Arm, versteht sich). Das Fieberthermometer wurde dann, vor der Begegnung mit der Achselhöhle meines Sitznachbars, hygienischerweise mit einem Wattebausch abgewischt. Ja, lecker. Die Kommunikation zwischen Ärztin, Patienten und Sprechstundenhilfen erfolgte über Klingelzeichen. Einmal klingeln: Nächster Patient. Zweimal klingeln: Sprechstundenhilfe. Nach jedem „Einmal-Klingeln“ rückte man dann einen Stuhl weiter in Richtung Sprechzimmer. Zwischen Aufrücken und Warten konnte ich mir die Zeit damit vertreiben, die verschiedenen Plakate und Aufkleber zu studieren, die im Wartezimmer angebracht waren. Während ich mich fragte, was ich nun von der Kombination der Viagra-Werbung und dem daneben hängenden Verweis auf Safer Sex halten sollte, kniff mir die ganze Zeit ein niedliches, kleines Kind in den Arm und amüsierte sich königlich. Ja, schon witzig so eine weiße Frau. Zwei Stunden, ein paar Kniffe und „Einmal-Klingeln“ später bekam ich dann mein neues Medikament. Und obwohl ich den Arztbesuch wirklich ganz unterhaltsam fand, hoffe ich trotzdem, dass ich mich zukünftig wieder auf meine Nebenwirkungs-Resistenz verlassen kann.

Hjördis Hoffmann

Zu Gast in Ghana - Fußball

Montag, Mai 25th, 2009

Essien, Essien, Essien. Diesen Namen habe ich seit meiner Ankunft in Ghana fast häufiger gehört, als meinen eigenen. Und das liegt weniger daran, dass man meinen Namen hier nicht aussprechen kann, sondern viel mehr an der Tatsache, dass der ghanaische Fußballspieler, der zur Zeit für den FC Chelsea spielt, so etwas wie ein Nationalheld ist.

So sind die Aukleber der lokalen Fußballvereine, mit denen Taxifahrer zu verstehen geben, ob sie nun ein Fan des Tabellenführers Hearts of Oak oder des z.Zt. weniger erfolgreichen Teams Asante Kotoko sind, nahezu immer von einem Aufkleber des FC Chelsea begleitet. Da man hier in Accra recht häufig Taxi fährt und mein übliches Smalltalk-Thema, das Wetter, doch recht schnell langweilig wird („Tolles Wetter!“ – „Ja, natürlich! Wie immer.“), deute ich also immer auf den jeweiligen Aufleber und sage: „You like football, mh?“. Und schon ist man im Gespräch. Aufgrund der im Taxi sitzenden Deutschland-Ghana Kombination, landet man auch sehr schnell bei der WM 2006. Strahlend und euphorisch wird einem dann berichtet, was in Ghana los war, als das Nationalteam den erfolgreichen Underdog gab und seinem Land somit ein ganz eigenes Sommermärchen bescherte.

Dass Fußball in Ghana „ganz groß“ ist, hat man mir schon vor meiner Abreise aus Deutschland gesagt. Und seit dem Champions-League Halbfinale, dass ich am Mittwoch vor drei Wochen beim Public Viewing in Accra gesehen habe, weiß ich nun auch, was mit „ganz groß“ gemeint war. Das Spiel: Chelsea gegen Barcelona. Und wer schoss das erste Tor? Natürlich Essien. Die Stimmung, die dann im Innenhof der Accra Mall und auch vor den Fernsehern in den Geschäften ausbrach, lässt sich nur schwer in Worte fassen und daher möchte ich das an dieser Stelle auch gar nicht erst versuchen. Ich würde mich nun auch nicht als den größten Fußballfan aller Zeiten bezeichnen, aber nach diesem Abend stand eines für mich fest: mein Ghana-Aufenthalt wird fußballlastig.

Gesagt – getan. Am Sonntag darauf habe ich mir das Hearts of Oak Team im Ohene Djan Stadium in Accra angesehen. Und obwohl das Spiel gegen Essiens Jugendverein Liberty Professionals eher langweilig war, habe ich den Aufenthalt im Stadion sehr genossen. Denn hier liegt die Priorität ganz klar beim Fußball. Gute zwei Stunden, ohne angesprochen zu werden oder einen Heiratsantrag zu bekommen. Was soll ich am Strand? Das Fußballstadion ist seit dem mein persönlicher Ort der Ruhe und Entspannung.

Hjördis Hoffmann

Zu Gast in Ghana - Modehauptstadt Accra

Sonntag, Mai 24th, 2009

lokko.jpgWer denkt, dass sich Ghanas Modewelt nur um buntbedruckte Kleider dreht, liegt weit daneben. Ich bin eigentlich auch nicht davon ausgegangen, dass ich als kleiner Streetwear Addict in Ghana auf meine Kosten komme. Aber gerade was dieses Thema betrifft, lasse ich mich nur zu gerne eines Besseren belehren.

Beim Rumschlendern durch Accra bin ich auf „lokko08 – original ACC“ gestoßen. Nahezu alle T-Shirt-Motive nehmen, mehr oder weniger offensichtlich, Bezug auf Ghana und seine Hauptstadt und sollen somit den „local flavour“ der Marke betonen. Und da ich eine überzeugte Unterstützerin der These „Jedes Souvenir, das man anziehen kann, ist ein gutes Souvenir“ bin, konnte ich es natürlich nicht verantworten den Laden ohne ein neues Shirt zu verlassen.

Generell sollte man die Bedeutung, die Ghana für die afrikanische Modewelt hat, nicht unterschätzen. So lädt Accra vom 01. bis zum 04. Juli 2009 mit dem Ghana Fashion Weekend zu einem der größten Mode Events in Westafrika ein. 30 Designer aus Afrika, den USA und England werden sich die Ehre geben und ihre Kollektionen auf einer der zahlreichen Modeschauen und –austellungen präsentieren. Und das Vertrauen der Ghanaer in ihre Modeszene ist groß. So geht die Tourismusministerin Ghanas davon aus, dass sich Accra in den nächsten Jahren zur Modehauptstadt Afrikas entwickeln wird. Man darf gespannt sein.

Hjördis Hoffmann

Zu Gast in Ghana

Freitag, Mai 22nd, 2009

img_5599.jpgWenn meine Familie und meine Freunde etwas an mir ändern dürften, dann wäre es wahrscheinlich die Eigenschaft, mich nur allzugerne dem Fernweh hin- und ihm so oft es geht auch nachzugeben. Da ich mich als dickköpfiger Widder jedoch nicht gerne ändern lasse (und dafür lieben sie mich ja eigentlich auch), gab es nach meinem Bachlor-Abschluss nicht viel, was mich davon hätte abhalten können, Deutschland wieder für einige Zeit zu verlassen. Und frei nach dem Motto “wenn schon denn schon”, sollte es auch bitte kein europäisches Land sein, sondern eines, das man erst einige Flugstunden und, aufgrund meiner Flugangst, auch einige Panikattacken später erreicht: Ghana. Es liegen also drei Monate in dem Land vor mir, das gerne als Vorzeigeland Westafrikas betrachtet wird. Und da ich schon als Kind gelernt habe, dass Teilen etwas sehr schönes ist, möchte ich meine Erlebnisse natürlich nicht für mich behalten. Und daher gibts hier im Gazelle Blog alles zu lesen :-)

Hjördis Hoffmann

Johnnys Jihad - American Taliban und Kurt Z. Weill Chanson Hommage

Montag, Januar 19th, 2009

Eintrittskarten zu gewinnen!

Am 22. Januar um 20 Uhr zeigt das Katakomben Theater in Essen das Stück Jonnys Jihad. In dem ein junger US-Amerikaner, der den Glauben an die westlichen Werte verloren und neue Werte im Islam gefunden hat. John sucht das Abenteuer und den wahren Zugang zum Koran im Jemen, in Pakistan und Konvert. u Beginn der Kampfhandlungen zwischen afghanischer Nordallianz und Taliban schon gefangen genommen, überlebt er den blutigen Gefängnisaufstand von Masar i Sharif und sieht sich unversehens einem Landsmann gegenüber. Der Special-Forces-Agent Dave Tyson ist fassungslos einen „American Taliban“ als Feind vor sich zu haben und skrupelt noch, ob er ihn vom Nordallianz-General Dostum foltern läßt…Ein Politkrimi, ein an Shakespeare erinnernder Text in einem packenden Kammerspiel, in dem Sprache unterstützt von indischer Percussion zur Musik wird und die Grundthemen, wie „westliche Werte“ gegen Folter, muslimischer Fanatismus gegen Stammesmachtinteressen verhandelt werden.

Kurt Z. Weill Chanson Hommage

Außerdem gedenkt das Theater am 06. Februar um 20 Uhr den legendären Chansons Kurt Wells. Einzigartig schaffte Kurt Weill die Verbindung von „leichter“ und „schwerer“ Musik und begründete nebenbei noch das amerikanische Musiktheater. Sein größter Erfolg ist und bleibt aber die Dreigroschenoper. An diesem Abend spiegelt sich in Susanne Zinsius´ Programm „kurt.z.weill“ die Vielseitigkeit von Kurt Weill eindrucksvoll wieder.
Susanne Zinsius entführt ihre Zuhörer ins Berlin der späten 20-er Jahre sowie ins Pariser Exil oder an den New Yorker Broadway der Nachkriegszeit.

Für beide Veranstaltungen verlost Gazelle jeweils 1×2 Eintrittskarten. Einsendeschluss ist der 21. Januar. Bitte senden Sie uns Ihren vollständigen Namen an gewinn@gazelle-magazin.de. Im Betreff wählen Sie bitte entweder Kurt Weill oder Johnnys Jihad. Viel Glück!

 

Lesung: Bilder eines Vaters

Mittwoch, Januar 14th, 2009

Bilder eines VatersImmer wieder gelingen der Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung, Christiane Kohl, bei ihren zeithistorischen Recherchen Aufsehen erregende Funde. Anhand von alten Aufzeichnungen, die jahrzehntelang auf einem Dachboden lagerten und dem Berliner Großbürgersohn Reinhold Meyer gehörten, dem Spross einer Familie von Bankiers und Kunstmäzenen, erforscht die Autorin in ihrem aktuellen Buch Bilder eines Vatersdas Schicksal dieser verfolgten und enteigneten deutsch-jüdischen Familie und ihrer hochkarätigen Kunstsammlung mit Gemälden von Lovis Corinth, Max Liebermann und Adolph Menzel.

Im Jüdischen Museum wird Christiane Kohl ihr Buch Bilder eines Vaters in Wort und Bild vorstellen und von ihrer kriminalistischen Spurensuche und die bis in die Gegenwart skandalösen Aspekte von millionenschwerer Ausplünderung und schamloser Bereicherung durch die Nationalsozialisten berichten.

Zur Autorin: Christiane Kohl studierte Politik und Germanistik, arbeitete als Bonner Korrespondentin des ‚Kölner Express’ und später als Pressesprecherin im Hessischen Umweltministerium. Von 1988 bis 1998 war sie Redakteurin und Reporterin beim ‚SPIEGEL’. Von 1999 bis zum Sommer 2005 berichtete sie als Italien-Korrespondentin der ‚Süddeutschen Zeitung’ aus Rom. Heute lebt sie als SZ-Korrespondentin in Dresden. Zu ihren Bucherfolgen gehören u.a. ‚Der Jude und das Mädchen’, ‚Villa Paradiso’ und ‚Das Zeugenhaus’.

Die Lesung findet am am 22. Januar 2009 um 19.00 Uhr im Auditorium vom Jüdischen Museum Berlin in der Lindenstr. 9-14, Berlin statt.

Der Eintritt ist frei.