Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

Bahn fahren – Frust sparen? Von wegen!

Donnerstag, April 15th, 2010

Eine – leider nicht ungewöhnliche – Begegnung am Ticketschalter

aufgeschrieben von Sunya Baaroun

Forsch, in rigoroser Manier, lehnte sich der etwas korpulente Herr um die fünfzig in seinen Stuhl zurück.  Leise gibt die Stuhllehne einen Seufzer von sich. Ein Hauch von Hohn umspielt seine Mundwinkel, die für einen Moment lang kurz gen Wangenknocken zucken. Ob er ihr seinen Namen nennen  könne,  fragte die junge Frau. Nicht mehr und nicht weniger. Nach all seinen, vornehmlich kurzgehaltenen, jeglichen Ansatz von Höflichkeit aussparenden Kommunikationsanteilen, war sie nun doch sehr erbost. Die Sache war nämlich so: Sie, Naila Khan, Tochter eines indischen Journalisten und einer deutschen Flamencotänzerin, selbst internationale Künstlerin in der Spate Indien- and Bellydancestyle,  wollte sich just nach einer geeigneten Reiseverbindung erkundigen. Ihre frisch aus Indien eingeflogene Freundin Maya beabsichtigte, sie durchs Ruhrgebiet zu führen, schließlich war man ja Kulturhauptstadt Europas 2010. Ein triftiger Grund, sich einmal als Reiseführer zu probieren.

Maya, durch Zufall gerade in Deutschland, um hier einigen marktwirtschaftlichen Forschungsarbeiten nachzugehen, wollte sich dies nicht entgehen lassen. Dass dies aber ein Akt sondergleichen werden sollte, hätten die Damen zuvor nicht geahnt. Beide ließen sie das Auto mit Bedacht in der Garage stehen, denn wollten sie sich die freien Nachmittagsstunden nicht durch Staus vermiesen lassen. Man setzte deshalb auf die Deutsche Bahn, die sich den zwei zarten, dunkelhaarigen Frauen dann in ihrer ganz eigenen Weise präsentierte:  Am Ticketschalter wurden beide weder begrüßt, noch blickte man ihnen, während sie ihr Anliegen vortrugen, auch nur halbwegs ins Gesicht. Auf jede Frage von Naila gab der Bahnbedienstete demonstrativ zu verstehen, dass er gerade keine Lust habe, sich mit der jungen Frau zu beschäftigen. Mal rollte er mit den Augen, verschärfte bei Belieben die Tonlage, um dann grandios vom Zynischen ins bitter Abfällige zu wechseln.  Zusätzlich wusste er seine Sätze auf solch wenige Wörter zu reduzieren, dass diese verbale Sparsamkeit nicht selten eine völlige Sinnfreiheit des Gesagten garantierte. Frau Khan wurde es zu bunt, als diese zu einer weiteren Frage ansetzte und der Herr vor ihr nur sagte. „Was ist denn nun noch?“ Also erkundigte sie sich nach seinem Namen. Zumindest bei seinem Vorgesetzten beschweren wollte sie sich.

Der Bahnbedienstete pausierte hierauf erst mal einen Moment, um sich anschließend in seinem Stuhl zurückzulehnen (Szene von oben). Dann wanderte sein Zeigefinger schwerfällig, beinahe missmutig  zu dem Namensschild, das halb versteckt und schief zwischen linkem obersten Brustansatz und Achselbereich zu verschwinden drohte.  Dies nur, um gleich darauf brummig anzufragen ob Naila Khan denn etwa  nicht lesen könne. „Doch, aber ihr Schild hängt schief“, antwortet diese deutlich betroffen. Worauf sie nichts, außer einem grotesken Lächeln zur Antwort bekam.

 

Kennen Sie auch solche Erlebnisse? Erzählen Sie uns die ärgerlichsten, lustigsten, kuriosesten, schrägsten und absurdesten Ereignisse, die Ihnen in öffentlichen Verkehrsmitteln widerfahren sind. Egal ob am Ticketschalter, in U-Bahn, Bus, Straßenbahn, Zug, S-Bahn, auf der Fähre, am Flughafen, im Flieger… schildern Sie uns in einer Email mit dem Betreff „Gazelle kurios“ an

 info@gazelle-magazin.de

 

 

Kampf gegen Residenzpflicht - Porträt des Aktivisten Komi E.

Freitag, März 26th, 2010

Gazelle-Autorin Eleonora Roldán Mendívil sprach mit dem Aktivisten Komi E., der 2003 aus politischen Gründen aus dem Togo floh und in die Bundesrepublik Deutschland kam. Mit anderen aktiven Menschen begleitete sie ihn am 26.02.10 zum Gerichtsverfahren nach Halle (Saale) - er klagte gegen die Erhebung von 10€, die von Flüchtlingen bei jeden Antrag auf Verlassen des Landkreises zu zahlen sind -  und fing die Stimmung der Mitreisenden und deren ablehnende Haltung gegenüber der, gegen die Menschenrechte verstoßenden Residenzpflicht ein.

Morgens, 7 Uhr. Ca. 30 Menschen haben sich vor dem Reisezentrum am Alexanderplatz versammelt. Die Stimmung ist etwas gedrückt - auch wenn alle lächeln und versuchen sich den Schlaf aus den Augen zu reiben. Komi E. begrüßt alle persönlich. Zwanzig Minuten später macht sich die Gruppe auf den Weg zum Bus. Heute geht es nach Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt. Wer ist Komi E. und warum konnte er diese Menschen mobilisieren ihn so früh zu begleiten?

Komi E.

Komi E. wurde im Togo geboren wo er bis 2003 lebte. Hier besaß er ein Textilgeschäft und war als Einzelhändler tätig. Komi trat der Oppositionspartei UFC - Union des Forces de Changement - (Union der Kräfte der Veränderung) bei, welche einen freien und demokratischen Staat Togo anstreben.

Geschichte Togos

Geschichtlicher Hintergrund: Im Gegensatz zu den umliegenden Gebieten kam es auf dem Territorium des heutigen Togo in vorkolonialer Zeit nie zur Gründung größerer staatlicher Einheiten. Das heutige Staatsgebiet von Togo, Ergebnis relativ junger, kolonialer Grenzziehung, war in seiner Geschichte ständiger Emigration und Inmigrantion ausgesetzt. Daher der heutige „Vielvölkerstaat“. Seit dem 16. Jahrhundert war die Küste Togos als sogenannte „Sklavenküste“ bekannt, da sie Europäern als Quelle für afrikanische Sklaven diente. Europäische Kolonialmächte - Deutschland, Großbritannien, Frankreich - teilten das Gebiet unter sich auf, verloren es durch Kriege wieder und zogen nach belieben neue Grenzen. 1957 schloss sich Britisch-Togoland an das nun „unabhängige“ Ghana an. Der französische Teil erhielt 1955 von Frankreich Autonomie und schließlich 1960 die volle „Unabhängigkeit“. Von 1967 bis 2005 beherrschte General Gnassingbé Eyadéma das Land. Massive Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen haben viele Menschen - auch Komi E. - ins Exil gezwungen. Nach dem Tod von Gnassingbé Eyadéma am 5. Februar  2005 ernannte die Armee des Landes seinen Sohn Faure Gnassingbé zum neuen Präsidenten. Am 25. Februar trat dieser unter internationalem Druck jedoch wieder zurück. Das Amt wurde vom Parlamentspräsidenten übernommen. In der äußerst umstrittenen Wahl vom 24. April 2005 wurde der Sohn des Diktators zum Präsidenten gewählt; mehr als 500 Menschen starben bei und nach diesen Wahlen.

Kampf gegen Ungerechtigkeiten

Komi E. kämpfte schon im Togo gegen Ungerechtigkeiten und für die konsequente Umsetzung der Menschenrechte und auch in Deutschland nahm er seine politischen Rechte wahr.

Wie alle Flüchtlinge wurde Komi E. nach seinem Asylantrag in eine „Gemeinschaftsunterkunft für AsylbewerberInnen“ gewiesen. Diese „Lager“ befinden sich meist in ländlichen Gebieten. Komi E. fühlte sich eingeschränkt, er wurde bevormundet: Lebensmittel und Kleidung wurden ihm, wie den anderen, mehr oder weniger zugeteilt. Um Freunde außerhalb seines Landkreises zu besuchen musste er bei der Ausländerbehörde, gegen eine Gebühr von 10 Euro, einen Antrag auf Verlassen des Landkreises stellen. Denn Asylbewerber stehen unter der sogenannten „Residenzpflicht“ und dürfen sich ohne „Erlaubnis“ nicht frei bewegen. Aufgrund der finanziell geringen Einkünfte von Flüchtlingen in Deutschland (ihnen werden je nach Landkreis um die 40€ monatlich zugeteilt), wird ihnen damit das Recht „sich innerhalb eines Staates frei zu bewegen und seinen Aufenthaltsort frei zu wählen“ unmöglich gemacht, obwohl dies ein im Artikel 13 der UN- Menschenrechtscharta verankertes, allgemeines Menschenrecht ist. Die geographische und institutionelle Ausgrenzung von Flüchtlingen in Deutschland wird damit durch weitere finanzielle Hürden verschärft.

Gründung: Togo Action Plus

„Warum dürfen wir nicht arbeiten, uns nicht frei bewegen, eigenständig unser Leben hier gestalten?“ fragt Komi E. Und die Ausländerbehörde Halle (Saale) verlangte weiterhin 10 Euro von ihm wenn er zum Beispiel seine Verlobte in Berlin besuchen wollte. Nach dem Selbstmord eines Togolesischen Freundes in einer „Gemeinschaftsunterkunft für AsylbewerberInnen“ im Jahr 2004 – er hatte 10 Jahre auf die Bewilligung seines Antrages gewartet – beschloss Komi E. mit anderen Flüchtlingen aus dem Togo ihre Situation nicht mehr tatenlos zu akzeptieren; die Flüchtlingsinitiative Togo Action Plus entstand. Das Ziel der Initiative, bei der Komi E. als Vizepräsident fungiert,  ist es die Situation von AsylbewerberInnen in Deutschland öffentlich zu machen. „Am Anfang waren viele dabei“, erzählt Komi „dann wurde ihnen von den Behörden mit Abschiebung gedroht. Bei einigen blieb es nicht nur bei der Drohung - andere gingen aus Angst in den Untergrund.“ Heute finanziert sich Togo Action Plus aus privaten Spenden.

Klage gegen 10-Euro-Gebühr

Komi E. setzte sich mit dem Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt zusammen und beschloss, gegen diese 10-Euro-Gebühr zu klagen. Dies geschah 2007, Komi E. besaß damals eine Duldung, ein Zustand ständiger Angst vor der Abschiebung. Mit Unterstützung vom Flüchtlingsrat Halle (Saale), der antikolonialen Initiative Karawane, der Initiative zur Unterstützung von Flüchtlingen no lager halle, dem Bündnis verschiedener antirassistischen Gruppen und Einzelpersonen Plataforma (heute Ex Plataforma), der Flüchtlingsplattform The Voice, und zahlreichen Privatpersonen organisierte Komi E. verschiedene Aktionen gegen die
10-Euro-Gebühr und gegen die Residenzpflicht im allgemeinen: Faxkampagnen, Demonstrationen, Veranstaltungen zu Rassismus in Deutschland.

Einige Tage nach der erfolgreichen Faxkampagne erreichte Komi E. ein Bescheid von der Ausländerbehörde Landkreis Saalekreis (Merseburg), in dem er zu einer Rückzahlung von vermeintlichen „Abschiebevorbereitungen“ von über 1165,01 Euro aufgefordert wurde. Alle aufgelisteten Kosten in dem Bescheid entsprechen aber nicht der genannten Begründung der Behörden. Dieser skurrile Bescheid - den andere auf Abschiebung wartende nicht bekamen - wurde jedoch vor Kurzem aus Gründen der „Verjährung“ zurückgezogen.

„Widerstand ist unsere Waffe“

In Halle treffen Komi E. und seine UnterstützerInnen noch mal auf. Die Aktivisten samt Presse begeben sich in den Gerichtssaal und nach 30 Minuten steht fest: Komi E. hat zu Recht geklagt. Die Erhebung einer 10-Euro-Gebühr von Seiten der Ausländerbehörde ist rechtwidrig. Komi E. wird seine gezahlten 10 Euro erstattet bekommen - seine Klage war erfolgreich. Es wird geklatscht, man nimmt sich in den Arm. „ich fühle mich erleichtert“ versichert Komi E. „aber hätte ich verloren, dann wäre ich in die nächste Instanz gegangen, denn Widerstand ist unsere Waffe.“ Die letzten Worte sind heute schon öfters gefallen.

Auf Nachfrage erfahre ich von einem jungen Berliner, dass er Komi E. unterstützt, da es gegen die Menschrechte verstößt, wie mit ihm und anderen Flüchtlingen umgegangen wird. „Meine Ausbildung beim Auswärtigem Amt hat mich maßgeblich politisiert“, sagt er „das hier vermittelte autoritäre Menschenbild hat mich erschüttert und mich zum aktiv werden motiviert.“ Die Schikanen gegen sogenannte „Ausländer“ seien nicht integrationsförderlich und er werde sich das Recht, öffentlich Druck zu machen, nicht nehmen lassen. Der 22-Jährige versicherte, in diese Richtung weiter politisch aktiv zu sein.

Eine andere Berlinerin (26) hält das ganze Konzept der Residenzpflicht für falsch und äußerst fatal. Sie ist sich im Klaren, dass es sehr schwer sein wird dieses Gesetz abzuschaffen will aber trotzdem laut dagegen protestieren. „Zwar ist dies ein Einzelfallurteil, jedoch wird es maßgebend für die Zukunft sein. Dies ist eine wichtige Grundlage für Betroffene um sich zu wehren.“

Flashmob-Demo

Nach dem positiven Urteil versammelten sich die Aktivisten zu einer Flashmob-Demo und zogen mit drei Transparenten durch die Innenstadt. Es wurde „Stop, Stop, Stop Residenzpflicht!“ gerufen, Passanten wurden mit Flyern auf das Anliegen aufmerksam gemacht.

„Ich habe nun das Recht, hier zu bleiben“

Nach einem durch und durch geglückten Tag sitzt Komi E. erschöpft im Reisebus. Auch seine Frau und sein kleiner Sohn können nun richtig verschnaufen. „Was sind deine Pläne für die Zukunft?“ frage ich Komi E. „Ich habe nun das Recht hier zu bleiben. Meine Familie ist hier in Berlin und hier möchte ich auch bleiben. Ich werde dafür kämpfen, dass mein Sohn in dieser Gesellschaft nicht diskriminiert wird. Ich möchte eine feste Arbeit finden, in einer Antirassismus Beratungsstelle oder ähnlichem. Ich werde hundertprozentig aktiv bleiben.“ Komi E. lächelt.

Die Residenzpflicht ist ein menschenverachtende deutsche Regelung und neben den üblichen Diskriminierungen gegen Asylsuchende nur die Spitze des Eisberges. Ein sozialer Staat sollte flüchtende Menschen wohlwollend aufnehmen und nicht gleich unter Generalverdacht stellen. Warum können AsylbewerberInnen nicht bei Freunden und Familie verweilen, solange über ihren Antrag entschieden wird? Wir sprechen von Menschen, mit einem Leben, einer Vergangenheit, einer Familie, mit Träumen und Wünschen. Sie werden eingepfercht und ausgegrenzt; finanziell, sozial und emotional. Wollen wir dies als Zivilgesellschaft dulden? Wenn wir nicht aufbegehren, wer dann?

Gerade Menschen, die diese harten Etappen der Asylsuche durchlaufen haben, sollten sich hierfür einsetzen, ihre Lebensgeschichte teilen und weiterhin diejenigen nicht vergessen, deren Stimmen nicht so laut hallen - weil sie nicht auf Deutsch protestieren oder weil sie des Schreiens müde sind. Es liegt in unserer Hand etwas zu verändern und Druck auf die Politik auszuüben.

Komi E. ist ein sehr mutiger Mann, der von sehr klar denkenden starken Menschen unterstützt wird. Hoffen wir, dass sich in Zukunft noch mehr Menschen zusammenfinden um zu rufen: „Residenzpflicht abschaffen!“

Dresden, 13.02.2010: Sie kamen nicht durch!

Dienstag, Februar 23rd, 2010


Vor einigen Wochen entschloss ich mich dem Aufruf „Dresden Nazifrei“ nachzukommen und trotz Unilernstress mein Möglichstes zu tun um am 13.02.10 den faschistischen Aufmarsch Tausender zu verhindern.

Da sämtliche Busse aus Berlin schon voll waren, fuhr ich zusammen mit 3 Bekannten und 4 kurzentschlossenen Mitfahrerinnen am Samstag um 8h von Berlin Richtung Dresden mit einem privaten VW-Bus los. Trotz Polizeikontrollen kamen wir gegen 10:30h am Dresdner Hauptbahnhof auf der Südseite der Elbe an.

Wo ist die Kundgebung?

Nach einer kurzen Stärkung an einem Stand und der Vergabe wichtiger Informationen in Papierform machten wir uns zu fünft auf den Weg zu einer der  Hauptkundgebungen - das Etappenziel für den Vormittag. Nach einem kleinen Spaziergang trafen wir am angeblichen Kundgebungsort auf vereinzelte meist schwarz gekleidete Antifa-Gruppen und auf eine gute Masse bunt gekleideter Menschen. Hier fing die Demonstration „GehDenken“ unter anderem mit  bündnisgrünener Beteiligung und zum Beispiel mit Partizipation Evangelischer Jugendverbände an. Hier gedachten wir den zivilen Opfern des Bombardements in Dresden vor genau 65 Jahren. Es war schon ein interessantes Bild die schwarzen meist jungen Antifa-Gruppen neben den Familien des „GehDenken“-Protestes friedlich hintereinander laufen zu sehen.

Für uns war klar: wir wollen auf die andere Elbseite um aktiv mit zu blockieren, denn genau hier sollte die Naziroute verlaufen. Die massive Polizeipräsenz - ich zählte mehr als sieben Hubschrauber am Himmel - wurde uns an diesem Punkt noch einmal einschüchternd gezeigt.

Wie kommen wir zur Neustadt?

Nach einigen missglückten Versuchen wurde uns bewusst, dass die Polizei die Brücken Richtung Neustadt auf der anderen Elbseite abgeriegelt hatte und nur noch Anwohnern den Durchgang gewährte. Dies war unzulässig, denn auch auf der Neustädter Seite gab es zahlreiche angemeldete und zulässige Gegendemonstrationen zu denen man uns den Zugang eigentlich nicht hätte verwehren dürfen. Etwas enttäuscht machten wir uns auf den Weg gen Osten und grübelten darüber nach wie wir uns doch noch auf die andere Elbseite durchschlagen könnten. Hierbei ist uns eine Tram aufgefallen, die von der Südseite über die Albertbrücke immer noch regelmäßig zur Neustadt fuhr. Kurzerhand suchten wir eine nicht von Polizeibeamten „besetzte“ Haltestelle und fanden nach einiger Zeit die richtige Tram-Haltestelle. Etwas aufgeregt stiegen wir - mit entwerteten Fahrausweisen - ein und verteilten uns in dem Wagon. Kurz vor der Albertbrücke kamen dann uniformierte Beamte in die Tram und suchten systematisch „links aussehende“ (wie sie es nannten) um diese wieder aus der Tram herauszuholen. Es war erschreckend miterleben zu müssen, wie deutsche Polizisten in „Kampfmontur“ Menschen nach Aussehen und vermeintlich gefährlicher Gesinnung selektierten. Erschreckend auch, wie hilflos man sich dabei vorkommt, denn ein Einschreiten hätte auf jeden Fall auch für uns das Ende der Fahrt bedeutet. Wir  waren heilfroh, lediglich beäugt worden zu sein und der „Staatsmacht“ mit unserem wohl „unlinkem“ Auftreten nicht aufgefallen zu sein.

Endlich: Auf der Nordseite der Elbe

 

Auf der Nordseite der Elbe ging es dann schnell zum Albertplatz wo sich viele GegendemonstrantInnen aufhielten. Nach einer kurzen Stärkung bewegte sich der Demo-Zug Richtung Westen. Ohne genau zu wissen warum schlossen wir uns an. Nach und nach sickerte die Information durch, dass die Nazis im Bahnhof Neustadt mehr oder weniger eingekesselt waren und nun eine Route - westlich des Neustädter Bahnhofes - zugewiesen bekommen hätten. Neben vielen, vor allem jungen DresdnerInnen und Antifas marschierten wir also nun  weiter und versuchten uns Richtung Bahnhof Neustadt durchzuschlagen. Dies erwies sich jedoch als unmöglich, da die Polizei diesen weiträumig abgeriegelt hatte. Wir gerieten in einige brenzlige Situationen bei denen Tränengas und Wasserwerfer gegen die Demonstranten gerichtet wurden; davor wurden vereinzelt Schneebälle, Plastikflaschen und Feuerwerkskörper Richtung Polizei geworfen. Wir sahen wie Mülleimer, ganze Müllcontainer und Restaurantinventar brannten und wie ein Auto - mit einem Deutschlandsticker - teilweise demoliert war. Kopfschüttelt und verärgert drüber, wie man so etwas unpolitisches tun kann gingen wir weiter.

Kein Naziaufmarsch

Ab 17 Uhr war klar, dass sie Nazis nicht auflaufen konnten und, dass ihr „Trauerzug“ nicht stattgefunden hatte. Hiernach beschlossen wir uns einen Weg zurück Richtung Hauptbahnhof zu bahnen, was leichter gesagt war, als getan. Trotz Polizeikette gab es einen kleinen Weg neben den Bahnschienen den wir mit einigen anderen GegendemonstrantInnen passieren durften. Plötzlich hieß es „Halt!“ und ich blieb stehen und sah wie die Polizisten langsam auf unseren Trupp zukamen. Meine Leute gingen jedoch seelenruhig weiter also reihte ich mich kurzerhand ein. Die jungen Leute hinter uns durften nicht passieren.

Gegen 18h kamen wir wieder am Albertplatz an uns konnten ungehindert die Polizeibarrieren Richtung Altstadt passieren. Wir begleiteten einen von uns - vorbei an Polizeibeamten -  zur anderen Seite des Hauptbahnhofes und auf dem Rückweg sahen wir sie dann doch: vielleicht vier oder fünf junge Faschisten, ganz in schwarz und mit kurz geschorenen Haaren tauchten vor uns auf. Dicht gedrängt gingen wir - zusammen - Richtung Ausgang. Hier konnte ich „Deutschland“ in Runenschrift auf einem Rucksack erkennen und gleich darunter das Eiserne Kreuz mit preußischer Flagge im Hintergrund. Vor dem Ausgang standen einige „Linke“ und ich war mir sicher, dass es zu Ausschreitungen kommen würde aber da die Nazis nicht auf den ersten Blick als solche zu erkenne waren passierte nichts.

An dem VW-Bus angekommen trafen wir auf zwei unserer Mitfahrerinnen zurück nach Berlin und tauschten unsere Eindrücke aus.

Zu guter letzt hatten wir, zum Glück kurz vor einer Dresdner Tankstelle, eine Autopanne woraufhin unser Transportmittel abgeschleppt wurde. Nach ca. einer Stunde stand der Ersatzwagen bereit und wir kamen alle ungeschadet -  von den kalten, nassen Füße abgesehen - zurück nach Berlin.

Den vielen Faschisten Dresden nicht überlassen

Auch wenn wir nicht aktiv mitblockieren konnten, da wir zu keiner Zeit eingehakt auf dem Boden saßen, fanden wir es wichtig und richtig am Samstag präsent zu sein um den vielen Faschisten Dresden nicht zu überlassen. Ich glaube alleine unsere Anwesenheit hat etwas unter den DresdnerInnen aber auch unter anderen GegendemonstrantInnen bewirkt. Ich denke, dass Faschismus und Rassismus uns alle angehen und fand es unglaublich schade, wie wenig „bunte Gesichter“ ich auf Seite der GegendemonstrantInnen gesehen habe. Diese braune Ideologie ist überall auf der Welt verbreitet und ich würde gerne dazu beitragen, dass mehr Menschen - auch mit „Zuwanderungshintergrund“ - dagegen aktiv ein Zeichen setzen und betroffene Bürgerinnen und Bürger nicht im Stich lassen, indem sie „zu Hause“ bleiben und/oder sich nicht angesprochen fühlen.

Als Mensch sehe ich es als meine Pflicht an, faschistischen Ideologien keinen Raum zu geben. Demokratie heißt für mich, dass jeder/ jedem das Recht zur freien Meinungsäußerung gegeben wird, solange diese nicht menschenverachtend ist bzw. die Freiheit eines/einer anderen/anderer einschränkt. Sobald gegen dies verstoßen wird, und „Deutschland den Deutschen“ verstößt klar dagegen, hat dieser Mensch, in meinem Augen, das Recht zur freien Meinungsäußerung vertan. Die Erde ist rund und endlich und ich sehe nicht ein, dass ein Mensch mehr Recht hat an einem Ort zu sein bzw. sich niederzulassen als ein anderer, um es mit Kants Worten zu sagen.

Ich hoffe, dass es keine „Dresden Nazifrei 2011“-Aktion geben muss aber wenn dies der Fall sein sollte, können die DresdnerInnen mit einer weiteren aktiven, sich bekennenden Antifaschistin rechnen!

Zu Gast in Ghana - Environmental Film Festival of Accra

Montag, Juni 22nd, 2009

img_5789.gifUnter dem Slogan „Keep Ghana Clean“ fand in diesem Monat das fünfte Environmental Film Festival of Accra (EFFA) statt. Wie der Name des Festivals bereits verrät, lag der Fokus der Filme, die in diesem Kontext präsentiert wurden, auf dem Thema Umwelt bzw. Umweltverschmutzung. Nachdem letztes Jahr das Wasser seinen großen Auftritt hatte, gebührte 2009 alle Aufmerksamkeit dem Abfall. Mit Filmen wie „Ghana´s Plastic Waste Menace“, „Addicted to Plastic“ und „How safe is food grown in our city?“ sollte nicht nur ein Einblick in die problematische Abfallsituation Ghanas und deren Folgen geschaffen, sondern vor allem an das Umweltbewusstsein der Ghanaer appelliert werden.

Und dass das notwendig ist, kann ich leider nur bestätigen. Nehmen wir zum Beispiel einen typischen Lebensmitteleinkauf. Wenn ich in ein und demselben Laden frisches Brot, Eier, etwas Gemüse und Wasser einkaufe, also vier Produkte, erhalte ich mindestens genausoviele Plastiktüten. Das Brot, welches bereits in Plastik verpackt ist, wird, ebenso wie die Eier und das Gemüse, von der Verkäuferin in eine kleine extra Plastiktüte getan, um anschließend mit dem Wasser in einer großen Plastiktüte zu landen. Schon etwas gewöhnungsbedürftig für eine Person, die seit dem sie klein ist auf Stofftüten getrimmt wird.

Und wo wir schon einmal bei Plastik sind: Ghana hat ein Sachet Problem! Was das ist? Für umgerechnet 3 Cent kann man hier an jeder Ecke kleine versiegelte Plastikbeutel mit “pure water”, also Trinkwasser, erhalten, die dem durstigen Menschen die Reinheit des Wassers garantieren sollen. Und da es hier kaum Mülleimer gibt, landen die Sachets, nachdem man an der einen Ecke ein kleines Loch in den Beutel gebissen und diesen leer getrunken hat, meistens irgendwo auf der Straße.

Doch auch dem Abfall kann hier etwas Gutes abgewonnen werden. Im Rahmen des EFFA fand die Trashy Cloths Show statt. Drei ghanaische Designer haben sich Accras Müll vorgeknöpft und daraus Kleidung, Taschen und Accessoires entworfen. Auch die Sachets fanden hier, in Form von Regenmänteln und –schirmen, ihren Auftritt. Und neben dem ein oder anderen Male Model (Ja, meine lieben Damen, Neid ist durchaus angebracht!), konnten sich auch einige Kleidungsstücke tatsächlich sehen lassen.

by Hjördis Hoffmann 

Zu Gast in Ghana - Malariaprophylaxe

Dienstag, Mai 26th, 2009

flagge1.jpgVor einer Reise nach Westafrika wird einem dringlichst zu einer Malariaprophylaxe geraten. So gehörte die Einnahme eines solchen Präparats ebenso zu den Reisevorbereitungen meines dreimonatigen Ghana Trips, wie die Gelbfieberimpfung. Doch Prophylaktikum ist hier nicht gleich Prophylaktikum. Nahezu die erste Frage, die mir in Ghana gestellt wurde, war: „Und? Nimmst Du Lariam?“ Die Bejahung wurde dann mit einem besorgten Gesicht und „Oh. Naja, gucken wir mal wie es Dir in einer Woche geht.“ beantwortet.

Ich muss gestehen, dass mich die aufgelisteten Nebenwirkungen von Medikamenten nie sonderlich beeindrucken und ich insgeheim davon ausgehe, dass diese nur für gebrechliche Menschen oder Hypochonder bestimmt sind. Da beides nicht auf mich zutrifft, habe ich mir auch bei dieser Malariaprophylaxe, die laut Packungsbeilage unter anderem paranoide Zustände und Verfolgungswahn hervorrufen kann, keine Sorgen gemacht. Als ich allerdings zwei Tage später die Übernachtung in einem Strandhaus in dem Örtchen Kokrobite damit verbrachte, aufrecht in meinem Bett zu sitzen und den Wind vor meinem Fenster für einen Mörder zu halten, der unaufhörlich „I´ll come and get you“ flüsterte, war der Entschluss die Tabletten abzusetzen doch recht schnell gefasst.

Zurück in Accra suchte ich dann die von meinem Institut empfohlene Ärztin auf, um mir ein anderes Medikament verschreiben zu lassen. Der Besuch bei Frau Dr. Ansafo-Mensah war schon ein kleines Erlebnis. Nachdem ich meinen Namen auf einen kleinen Zettel geschrieben hatte, kam eine nette Sprechstundenhilfe und maß mitten im Wartezimmer Blutdruck und Temperatur (unterm Arm, versteht sich). Das Fieberthermometer wurde dann, vor der Begegnung mit der Achselhöhle meines Sitznachbars, hygienischerweise mit einem Wattebausch abgewischt. Ja, lecker. Die Kommunikation zwischen Ärztin, Patienten und Sprechstundenhilfen erfolgte über Klingelzeichen. Einmal klingeln: Nächster Patient. Zweimal klingeln: Sprechstundenhilfe. Nach jedem „Einmal-Klingeln“ rückte man dann einen Stuhl weiter in Richtung Sprechzimmer. Zwischen Aufrücken und Warten konnte ich mir die Zeit damit vertreiben, die verschiedenen Plakate und Aufkleber zu studieren, die im Wartezimmer angebracht waren. Während ich mich fragte, was ich nun von der Kombination der Viagra-Werbung und dem daneben hängenden Verweis auf Safer Sex halten sollte, kniff mir die ganze Zeit ein niedliches, kleines Kind in den Arm und amüsierte sich königlich. Ja, schon witzig so eine weiße Frau. Zwei Stunden, ein paar Kniffe und „Einmal-Klingeln“ später bekam ich dann mein neues Medikament. Und obwohl ich den Arztbesuch wirklich ganz unterhaltsam fand, hoffe ich trotzdem, dass ich mich zukünftig wieder auf meine Nebenwirkungs-Resistenz verlassen kann.

Hjördis Hoffmann

Zu Gast in Ghana - Fußball

Montag, Mai 25th, 2009

Essien, Essien, Essien. Diesen Namen habe ich seit meiner Ankunft in Ghana fast häufiger gehört, als meinen eigenen. Und das liegt weniger daran, dass man meinen Namen hier nicht aussprechen kann, sondern viel mehr an der Tatsache, dass der ghanaische Fußballspieler, der zur Zeit für den FC Chelsea spielt, so etwas wie ein Nationalheld ist.

So sind die Aukleber der lokalen Fußballvereine, mit denen Taxifahrer zu verstehen geben, ob sie nun ein Fan des Tabellenführers Hearts of Oak oder des z.Zt. weniger erfolgreichen Teams Asante Kotoko sind, nahezu immer von einem Aufkleber des FC Chelsea begleitet. Da man hier in Accra recht häufig Taxi fährt und mein übliches Smalltalk-Thema, das Wetter, doch recht schnell langweilig wird („Tolles Wetter!“ – „Ja, natürlich! Wie immer.“), deute ich also immer auf den jeweiligen Aufleber und sage: „You like football, mh?“. Und schon ist man im Gespräch. Aufgrund der im Taxi sitzenden Deutschland-Ghana Kombination, landet man auch sehr schnell bei der WM 2006. Strahlend und euphorisch wird einem dann berichtet, was in Ghana los war, als das Nationalteam den erfolgreichen Underdog gab und seinem Land somit ein ganz eigenes Sommermärchen bescherte.

Dass Fußball in Ghana „ganz groß“ ist, hat man mir schon vor meiner Abreise aus Deutschland gesagt. Und seit dem Champions-League Halbfinale, dass ich am Mittwoch vor drei Wochen beim Public Viewing in Accra gesehen habe, weiß ich nun auch, was mit „ganz groß“ gemeint war. Das Spiel: Chelsea gegen Barcelona. Und wer schoss das erste Tor? Natürlich Essien. Die Stimmung, die dann im Innenhof der Accra Mall und auch vor den Fernsehern in den Geschäften ausbrach, lässt sich nur schwer in Worte fassen und daher möchte ich das an dieser Stelle auch gar nicht erst versuchen. Ich würde mich nun auch nicht als den größten Fußballfan aller Zeiten bezeichnen, aber nach diesem Abend stand eines für mich fest: mein Ghana-Aufenthalt wird fußballlastig.

Gesagt – getan. Am Sonntag darauf habe ich mir das Hearts of Oak Team im Ohene Djan Stadium in Accra angesehen. Und obwohl das Spiel gegen Essiens Jugendverein Liberty Professionals eher langweilig war, habe ich den Aufenthalt im Stadion sehr genossen. Denn hier liegt die Priorität ganz klar beim Fußball. Gute zwei Stunden, ohne angesprochen zu werden oder einen Heiratsantrag zu bekommen. Was soll ich am Strand? Das Fußballstadion ist seit dem mein persönlicher Ort der Ruhe und Entspannung.

Hjördis Hoffmann

Zu Gast in Ghana - Modehauptstadt Accra

Sonntag, Mai 24th, 2009

lokko.jpgWer denkt, dass sich Ghanas Modewelt nur um buntbedruckte Kleider dreht, liegt weit daneben. Ich bin eigentlich auch nicht davon ausgegangen, dass ich als kleiner Streetwear Addict in Ghana auf meine Kosten komme. Aber gerade was dieses Thema betrifft, lasse ich mich nur zu gerne eines Besseren belehren.

Beim Rumschlendern durch Accra bin ich auf „lokko08 – original ACC“ gestoßen. Nahezu alle T-Shirt-Motive nehmen, mehr oder weniger offensichtlich, Bezug auf Ghana und seine Hauptstadt und sollen somit den „local flavour“ der Marke betonen. Und da ich eine überzeugte Unterstützerin der These „Jedes Souvenir, das man anziehen kann, ist ein gutes Souvenir“ bin, konnte ich es natürlich nicht verantworten den Laden ohne ein neues Shirt zu verlassen.

Generell sollte man die Bedeutung, die Ghana für die afrikanische Modewelt hat, nicht unterschätzen. So lädt Accra vom 01. bis zum 04. Juli 2009 mit dem Ghana Fashion Weekend zu einem der größten Mode Events in Westafrika ein. 30 Designer aus Afrika, den USA und England werden sich die Ehre geben und ihre Kollektionen auf einer der zahlreichen Modeschauen und –austellungen präsentieren. Und das Vertrauen der Ghanaer in ihre Modeszene ist groß. So geht die Tourismusministerin Ghanas davon aus, dass sich Accra in den nächsten Jahren zur Modehauptstadt Afrikas entwickeln wird. Man darf gespannt sein.

Hjördis Hoffmann

Zu Gast in Ghana

Freitag, Mai 22nd, 2009

img_5599.jpgWenn meine Familie und meine Freunde etwas an mir ändern dürften, dann wäre es wahrscheinlich die Eigenschaft, mich nur allzugerne dem Fernweh hin- und ihm so oft es geht auch nachzugeben. Da ich mich als dickköpfiger Widder jedoch nicht gerne ändern lasse (und dafür lieben sie mich ja eigentlich auch), gab es nach meinem Bachlor-Abschluss nicht viel, was mich davon hätte abhalten können, Deutschland wieder für einige Zeit zu verlassen. Und frei nach dem Motto “wenn schon denn schon”, sollte es auch bitte kein europäisches Land sein, sondern eines, das man erst einige Flugstunden und, aufgrund meiner Flugangst, auch einige Panikattacken später erreicht: Ghana. Es liegen also drei Monate in dem Land vor mir, das gerne als Vorzeigeland Westafrikas betrachtet wird. Und da ich schon als Kind gelernt habe, dass Teilen etwas sehr schönes ist, möchte ich meine Erlebnisse natürlich nicht für mich behalten. Und daher gibts hier im Gazelle Blog alles zu lesen :-)

Hjördis Hoffmann

“Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden”

Donnerstag, März 12th, 2009

Ein etwas zu langer Name für einen Feiertag? Nun, genau so heißt aber der fast 100-jährige Weltfrauentag eigentlich. In diesem Jahr zelebrierte der internationale Frauentag, um ganz genau zu sein, seinen 99. Geburtstag. Zwar steigt das Alter des Tages, der für Gleichberechtigung Freiheit und Frieden steht, seine Notwendigkeit verliert jedoch auch heute nicht an Bedeutung.(hb)

Die Anfänge der Entstehung des Weltfrauentages führen uns ins Jahr 1910 in die Hauptstadt Kopenhagen. Hier wird erstmals der Vorschlag eines Frauentages gemacht, allerdings ohne Bestimmung eines konkreten Datums. Im Jahr 1921 wird schließlich der 8. März zum “Internationalen Frauentag” erklärt zu Gedenken an den 8. März 1917, an dem russische Arbeiterfrauen für bessere Lebensbedingungen streikten und somit Auslöser für die Februarrevolution wurden.Der kommunistische Beigeschmack des Frauentages, der in Deutschland erstmals am 19. März 1911 gefeiert wurde, war Grund genug um ihn hierzulande zwischen 1933 und 1945 zu verbieten. Eine Alternative war allerdings schnell gefunden. Getreu dem Motto ” Auch Mütter sind Frauen” , wurde der Muttertag im nationalsozialistischem Deutschland zum Feiertag der Frau und des Volkes.Aber selbst nach 1945 drohte die Bedeutung des Frauentages allmählich zu verschwinden, er geriet in Vergessenheit oder man maß ihm nicht den Rang zu, der ihm zustand und ihn ursprünglich ehrte, nämlich der Kampf gegen Ungerechtigkeit in Zeiten riesigen Aufruhrs. So verdanken wir es den neuen Frauenbewegungen und -organisationen, die Ende der 60er wieder und wieder Aufklärungsarbeit leisteten und Tatendrang bewiesen, so dass der Internationale Frauentag heute tatsächlich INTERNATIONAL ist. Knapp 100 Jahre später erinnern wir uns an Clara Zetkin, die sich erstmals für einen Frauentag einsetzte, an die russischen Soldatenfrauen und an unermüdliche Kämpferinnen, die wussten, dass wir mehr verdienen. Ironischerweise feiert dieses Jahr auch Barbie einen runden Geburtstag. Die schöne Blondine wird zwar 50 jedoch kein Stück älter. So ist es vielleicht ein Wink des Schicksal, dass sogar Barbie, die Antiheldin der Frauenbewegung sich mit der Zeit emanzipierte.

Lesung: Mütter sind auch Menschen

Montag, Dezember 1st, 2008

Mütter sind auch MenschenDie Mutterbindung ist die erste Beziehung jedes Menschen. Sie legt grundlegende Beziehungsmuster und beeinflusst alle folgenden Beziehungen, auch jede Liebesbeziehung.
Häufig sind Mutter-Tochter-Beziehungen oft gekennzeichnet von Schuldzuweisungen, Wut und unerfüllten Erwartungen. Mit Hilfe neuester Erkenntnisse aus Bindungs-, Hirnforschung und Traumatherapie versucht die Autorin zu erklären, wie überwältigende Ereignisse wie etwa Krieg und Gewalt das Verhältnis zwischen Müttern und Töchtern, Eltern und Kindern nachhaltig beeinflussen. In Gesprächen mit Expertinnen und Müttern und Töchtern arbeitet sie heraus, was die Liebe zwischen beiden oft so schwierig macht und wie eine respektvolle Loslösung und gegenseitige Annahme aussehen könnten. Ein Plädoyer für eine freie, erwachsene und respektvolle Beziehung zwischen Müttern und Töchtern.

Die Autorin Claudia Haarmann arbeitete lange Zeit als freie Journalistin in Hörfunk und Fernsehen. Ist heute als Psychotherapeutin (HP) mit den Schwerpunkten Traumatherapie, Konfliktbearbeitung, Systemaufstellung und Körpertherapie tätig.

Am 4. Dezember 2008 um 19 Uhr liest sie im Auswärtiges Amt/Fritz-Kolbe-Saal, Werderscher Markt 1, 10117 Berlin im Rahmen der Berlin-Brandenburgischen Buchwochen. Der Eintritt ist frei.