Archive for the ‘Gazelle Info’ Category

Zu Gast in Ghana - Environmental Film Festival of Accra

Montag, Juni 22nd, 2009

img_5789.gifUnter dem Slogan „Keep Ghana Clean“ fand in diesem Monat das fünfte Environmental Film Festival of Accra (EFFA) statt. Wie der Name des Festivals bereits verrät, lag der Fokus der Filme, die in diesem Kontext präsentiert wurden, auf dem Thema Umwelt bzw. Umweltverschmutzung. Nachdem letztes Jahr das Wasser seinen großen Auftritt hatte, gebührte 2009 alle Aufmerksamkeit dem Abfall. Mit Filmen wie „Ghana´s Plastic Waste Menace“, „Addicted to Plastic“ und „How safe is food grown in our city?“ sollte nicht nur ein Einblick in die problematische Abfallsituation Ghanas und deren Folgen geschaffen, sondern vor allem an das Umweltbewusstsein der Ghanaer appelliert werden.

Und dass das notwendig ist, kann ich leider nur bestätigen. Nehmen wir zum Beispiel einen typischen Lebensmitteleinkauf. Wenn ich in ein und demselben Laden frisches Brot, Eier, etwas Gemüse und Wasser einkaufe, also vier Produkte, erhalte ich mindestens genausoviele Plastiktüten. Das Brot, welches bereits in Plastik verpackt ist, wird, ebenso wie die Eier und das Gemüse, von der Verkäuferin in eine kleine extra Plastiktüte getan, um anschließend mit dem Wasser in einer großen Plastiktüte zu landen. Schon etwas gewöhnungsbedürftig für eine Person, die seit dem sie klein ist auf Stofftüten getrimmt wird.

Und wo wir schon einmal bei Plastik sind: Ghana hat ein Sachet Problem! Was das ist? Für umgerechnet 3 Cent kann man hier an jeder Ecke kleine versiegelte Plastikbeutel mit “pure water”, also Trinkwasser, erhalten, die dem durstigen Menschen die Reinheit des Wassers garantieren sollen. Und da es hier kaum Mülleimer gibt, landen die Sachets, nachdem man an der einen Ecke ein kleines Loch in den Beutel gebissen und diesen leer getrunken hat, meistens irgendwo auf der Straße.

Doch auch dem Abfall kann hier etwas Gutes abgewonnen werden. Im Rahmen des EFFA fand die Trashy Cloths Show statt. Drei ghanaische Designer haben sich Accras Müll vorgeknöpft und daraus Kleidung, Taschen und Accessoires entworfen. Auch die Sachets fanden hier, in Form von Regenmänteln und –schirmen, ihren Auftritt. Und neben dem ein oder anderen Male Model (Ja, meine lieben Damen, Neid ist durchaus angebracht!), konnten sich auch einige Kleidungsstücke tatsächlich sehen lassen.

by Hjördis Hoffmann 

Zu Gast in Ghana - TroTros

Freitag, Juni 5th, 2009

TroTros sind ein typisches ghanaisches Fortbewegungsmittel und der günstigste Weg, von einem Ort an den anderen zu kommen. Zu dem Zustand der Kleinbusse sei gesagt, dass es zwar gut ausgestattete, klimatisierte Modelle gibt, aber einige TroTros veranlassen einen dann doch eher zu der Annahme, dass „TroTro“ auf einer der vielen Sprachen, die in Ghana gesprochen werden, „Geh lieber zu Fuß“ heißen muss. Sicherheitsgurte sind überflüssiger Schick-Schnack, die Schiebetüren der TroTros sind häufig so verbeult, dass sie nicht mehr ganz schließen und wenn es überhaupt heile Seitenspiegel gibt, dann sind diese so eingestellt, dass man zwar einen guten Blick auf die Felgen, aber nicht auf den nachfolgenden Verkehr hat. Und dennoch ist eine TroTro-Fahrt recht unterhaltsam. Da die Ghanaer sehr offen sind, hat man auch immer sofort einen Gesprächspartner für die ganze Fahrt. (Ja, liebes Deutschland, so kann es auch gehen. Ein nettes Gespräch mit Leuten, die man eigentlich gar nicht kennt.)

Das Einzige, was mir wirklich ein paar Kopfschmerzen bereitet, ist die Kombination eines weniger stabilen TroTros mit dem Fahrstil der Fahrer. Meine Fahrt nach Cape Coast, eine Stadt in der Central Region Ghanas, durfte ich auf dem Beifahrersitz eines TroTros verbringen. Und da es auch schon als Kind das Größte war ganz vorne im Bus zu sitzen, dachte ich diesmal ebenfalls den besten Platz bekommen zu haben. Nun ja, eigentlich verbrachte ich die meiste Zeit mit dem Gedanken: „Gott, er kann doch jetzt nicht einfach…Oh…mh…kann er doch!“ Überholen geht immer und mit jeder Geschwindigkeit!

Mit gefühlten 150 km/h (die genaue Geschwindigkeit konnte ich leider nicht bestimmen, da der Tacho, wie sollte es auch anders sein, kaputt war und konsequent 0 km/h anzeigte) passierten wir auf dem Weg von Accra nach Cape Coast zahlreiche Schilder, auf denen die Anzahl der Personen vermerkt war, die in dieser Region an Verkehrsunfällen gestorben sind. Alles in allem gab es auf dieser Fahrt daher nicht allzu viele Anlässe sich entspannt zurück zu lehnen.

Anders ist es da in der Stadt. Vor allem in Accra herrscht ein Traffic Blues (wie ein ghanaischer Filmtitel es so schön ausdrückte). Man steht eigentlich permanent im Stau und muss sich folgedessen auf jeden Fall keine Sorgen um die Geschwindigkeit der Fahrer machen. Die Zeit im Stau kann man nutzen um seinen kompletten Wocheneinkauf zu erledigen. Durch das Fenster bieten einem Verkäufer Toilettenpapier, Brot, Eier, Yams, Flaschenöffner, Fußbälle, Tischdecken und vieles mehr an.

Manchmal frage ich mich allerdings schon, wer denn bitte auf die Idee kommt, sich vor einer vierstündigen Fahrt spontan Sekundenkleber zu kaufen. Aber bei dem Zustand einiger TroTros ist das vielleicht gar nicht mal die schlechteste Idee.

by Hjördis Hoffmann

Zu Gast in Ghana - Ksss

Freitag, Mai 29th, 2009

 

“Ksss. Ksss.”

Als ich dieses Geräusch das erste Mal in Ghana hörte, habe ich den Verkäufer, der es produzierte, mit dem gleichen entnervten Blick gestraft, den ich lästigen Wesen in Berlin zuwerfen würde, die „Ksss…Süße…“ für eine charmante Möglichkeit der Kontakaufnahme halten.

Mittlerweile bin ich mehr als froh, dass ich es bei dem Blick belassen habe und nicht noch, wie ich es in Deutschland vielleicht getan hätte, eine weniger freundliche Bemerkung in Richtung des Verkäufers gedonnert habe. „Ksss“ ist in Ghana nämlich ein ganz üblicher Weg, andere auf sich oder, im Falle des Verkäufers, auf die eigene Ware aufmerksam zu machen.

Wider Erwarten habe ich mich in den letzten Wochen selbst zu einer engagierten Nutzerin dieses Lautes entwickelt. Nicht, dass ich keine Bedenken mehr hätte, eine Kellnerin mit „Ksss“ anstatt mit einem zaghaften „Excuse me“ anzusprechen, aber manchmal bleibt einem kaum etwas anderes übrig. Denn ein höfliches Lächeln meinerseits wird zwar stets mit einem Lächeln erwidert, aber es führt nicht zwangsläufig zu einer Aufnahme meiner Bestellung. In einigen Fällen hätte es mich nicht einmal gewundert, wenn die Kellnerin einfach nur zurückgewunken hätte und dann einfach wieder, ohne ein Wort zu verlieren, in der Küche verschwunden wäre. Ein kurzes „Ksss“ beschleunigt den Bestellvorgang um einiges und wird scheinbar, im Gegensatz zum Gebrauch der linken Hand, die ich seit meiner Ankunft in Ghana verzweifelt versuche unter Kontrolle zu bringen, keineswegs als unhöflich empfunden.

Hjördis Hoffmann

Zu Gast in Ghana - Malariaprophylaxe

Dienstag, Mai 26th, 2009

flagge1.jpgVor einer Reise nach Westafrika wird einem dringlichst zu einer Malariaprophylaxe geraten. So gehörte die Einnahme eines solchen Präparats ebenso zu den Reisevorbereitungen meines dreimonatigen Ghana Trips, wie die Gelbfieberimpfung. Doch Prophylaktikum ist hier nicht gleich Prophylaktikum. Nahezu die erste Frage, die mir in Ghana gestellt wurde, war: „Und? Nimmst Du Lariam?“ Die Bejahung wurde dann mit einem besorgten Gesicht und „Oh. Naja, gucken wir mal wie es Dir in einer Woche geht.“ beantwortet.

Ich muss gestehen, dass mich die aufgelisteten Nebenwirkungen von Medikamenten nie sonderlich beeindrucken und ich insgeheim davon ausgehe, dass diese nur für gebrechliche Menschen oder Hypochonder bestimmt sind. Da beides nicht auf mich zutrifft, habe ich mir auch bei dieser Malariaprophylaxe, die laut Packungsbeilage unter anderem paranoide Zustände und Verfolgungswahn hervorrufen kann, keine Sorgen gemacht. Als ich allerdings zwei Tage später die Übernachtung in einem Strandhaus in dem Örtchen Kokrobite damit verbrachte, aufrecht in meinem Bett zu sitzen und den Wind vor meinem Fenster für einen Mörder zu halten, der unaufhörlich „I´ll come and get you“ flüsterte, war der Entschluss die Tabletten abzusetzen doch recht schnell gefasst.

Zurück in Accra suchte ich dann die von meinem Institut empfohlene Ärztin auf, um mir ein anderes Medikament verschreiben zu lassen. Der Besuch bei Frau Dr. Ansafo-Mensah war schon ein kleines Erlebnis. Nachdem ich meinen Namen auf einen kleinen Zettel geschrieben hatte, kam eine nette Sprechstundenhilfe und maß mitten im Wartezimmer Blutdruck und Temperatur (unterm Arm, versteht sich). Das Fieberthermometer wurde dann, vor der Begegnung mit der Achselhöhle meines Sitznachbars, hygienischerweise mit einem Wattebausch abgewischt. Ja, lecker. Die Kommunikation zwischen Ärztin, Patienten und Sprechstundenhilfen erfolgte über Klingelzeichen. Einmal klingeln: Nächster Patient. Zweimal klingeln: Sprechstundenhilfe. Nach jedem „Einmal-Klingeln“ rückte man dann einen Stuhl weiter in Richtung Sprechzimmer. Zwischen Aufrücken und Warten konnte ich mir die Zeit damit vertreiben, die verschiedenen Plakate und Aufkleber zu studieren, die im Wartezimmer angebracht waren. Während ich mich fragte, was ich nun von der Kombination der Viagra-Werbung und dem daneben hängenden Verweis auf Safer Sex halten sollte, kniff mir die ganze Zeit ein niedliches, kleines Kind in den Arm und amüsierte sich königlich. Ja, schon witzig so eine weiße Frau. Zwei Stunden, ein paar Kniffe und „Einmal-Klingeln“ später bekam ich dann mein neues Medikament. Und obwohl ich den Arztbesuch wirklich ganz unterhaltsam fand, hoffe ich trotzdem, dass ich mich zukünftig wieder auf meine Nebenwirkungs-Resistenz verlassen kann.

Hjördis Hoffmann