Zu Gast in Ghana - TroTros
TroTros sind ein typisches ghanaisches Fortbewegungsmittel und der günstigste Weg, von einem Ort an den anderen zu kommen. Zu dem Zustand der Kleinbusse sei gesagt, dass es zwar gut ausgestattete, klimatisierte Modelle gibt, aber einige TroTros veranlassen einen dann doch eher zu der Annahme, dass „TroTro“ auf einer der vielen Sprachen, die in Ghana gesprochen werden, „Geh lieber zu Fuß“ heißen muss. Sicherheitsgurte sind überflüssiger Schick-Schnack, die Schiebetüren der TroTros sind häufig so verbeult, dass sie nicht mehr ganz schließen und wenn es überhaupt heile Seitenspiegel gibt, dann sind diese so eingestellt, dass man zwar einen guten Blick auf die Felgen, aber nicht auf den nachfolgenden Verkehr hat. Und dennoch ist eine TroTro-Fahrt recht unterhaltsam. Da die Ghanaer sehr offen sind, hat man auch immer sofort einen Gesprächspartner für die ganze Fahrt. (Ja, liebes Deutschland, so kann es auch gehen. Ein nettes Gespräch mit Leuten, die man eigentlich gar nicht kennt.)
Das Einzige, was mir wirklich ein paar Kopfschmerzen bereitet, ist die Kombination eines weniger stabilen TroTros mit dem Fahrstil der Fahrer. Meine Fahrt nach Cape Coast, eine Stadt in der Central Region Ghanas, durfte ich auf dem Beifahrersitz eines TroTros verbringen. Und da es auch schon als Kind das Größte war ganz vorne im Bus zu sitzen, dachte ich diesmal ebenfalls den besten Platz bekommen zu haben. Nun ja, eigentlich verbrachte ich die meiste Zeit mit dem Gedanken: „Gott, er kann doch jetzt nicht einfach…Oh…mh…kann er doch!“ Überholen geht immer und mit jeder Geschwindigkeit!
Mit gefühlten 150 km/h (die genaue Geschwindigkeit konnte ich leider nicht bestimmen, da der Tacho, wie sollte es auch anders sein, kaputt war und konsequent 0 km/h anzeigte) passierten wir auf dem Weg von Accra nach Cape Coast zahlreiche Schilder, auf denen die Anzahl der Personen vermerkt war, die in dieser Region an Verkehrsunfällen gestorben sind. Alles in allem gab es auf dieser Fahrt daher nicht allzu viele Anlässe sich entspannt zurück zu lehnen.
Anders ist es da in der Stadt. Vor allem in Accra herrscht ein Traffic Blues (wie ein ghanaischer Filmtitel es so schön ausdrückte). Man steht eigentlich permanent im Stau und muss sich folgedessen auf jeden Fall keine Sorgen um die Geschwindigkeit der Fahrer machen. Die Zeit im Stau kann man nutzen um seinen kompletten Wocheneinkauf zu erledigen. Durch das Fenster bieten einem Verkäufer Toilettenpapier, Brot, Eier, Yams, Flaschenöffner, Fußbälle, Tischdecken und vieles mehr an.
Manchmal frage ich mich allerdings schon, wer denn bitte auf die Idee kommt, sich vor einer vierstündigen Fahrt spontan Sekundenkleber zu kaufen. Aber bei dem Zustand einiger TroTros ist das vielleicht gar nicht mal die schlechteste Idee.
by Hjördis Hoffmann
Juni 6th, 2009 at 07:25
Da fahre ich doch liebe weiterhin Fahrrad.
Schön wieder was von dir zu lesen
Juni 6th, 2009 at 22:21
*word
Juni 11th, 2009 at 21:15
Ich finde dein Blog ist sehr schön geschrieben.
Und ich finde solch Berichterstattungen auch sehr interessant.
Zu erkennen ist jedoch, wie uns unser kulturelles Umfeld prägt.
Denn wie bei dieser Busfahrt, wird diese nicht einfach dokumentiert sondern mit einer, oder aus einer westlichen Sicht beschrieben.
Wie kommt es das wir automatisch vergleiche ziehen mit dem was wir gewohnt sind aus unserem Umfeld/ unserer Kultur?
Auch wenn es kein direkter Vergleich ist.
Das ist jetzt eine allgemeine Frage die ich mir Stelle, den Blog und den Eintrag finde ich trotzdem gut!!!!!
Lieben Gruß
Sonja