Zu Gast in Ghana - Fußball
Essien, Essien, Essien. Diesen Namen habe ich seit meiner Ankunft in Ghana fast häufiger gehört, als meinen eigenen. Und das liegt weniger daran, dass man meinen Namen hier nicht aussprechen kann, sondern viel mehr an der Tatsache, dass der ghanaische Fußballspieler, der zur Zeit für den FC Chelsea spielt, so etwas wie ein Nationalheld ist.
So sind die Aukleber der lokalen Fußballvereine, mit denen Taxifahrer zu verstehen geben, ob sie nun ein Fan des Tabellenführers Hearts of Oak oder des z.Zt. weniger erfolgreichen Teams Asante Kotoko sind, nahezu immer von einem Aufkleber des FC Chelsea begleitet. Da man hier in Accra recht häufig Taxi fährt und mein übliches Smalltalk-Thema, das Wetter, doch recht schnell langweilig wird („Tolles Wetter!“ – „Ja, natürlich! Wie immer.“), deute ich also immer auf den jeweiligen Aufleber und sage: „You like football, mh?“. Und schon ist man im Gespräch. Aufgrund der im Taxi sitzenden Deutschland-Ghana Kombination, landet man auch sehr schnell bei der WM 2006. Strahlend und euphorisch wird einem dann berichtet, was in Ghana los war, als das Nationalteam den erfolgreichen Underdog gab und seinem Land somit ein ganz eigenes Sommermärchen bescherte.
Dass Fußball in Ghana „ganz groß“ ist, hat man mir schon vor meiner Abreise aus Deutschland gesagt. Und seit dem Champions-League Halbfinale, dass ich am Mittwoch vor drei Wochen beim Public Viewing in Accra gesehen habe, weiß ich nun auch, was mit „ganz groß“ gemeint war. Das Spiel: Chelsea gegen Barcelona. Und wer schoss das erste Tor? Natürlich Essien. Die Stimmung, die dann im Innenhof der Accra Mall und auch vor den Fernsehern in den Geschäften ausbrach, lässt sich nur schwer in Worte fassen und daher möchte ich das an dieser Stelle auch gar nicht erst versuchen. Ich würde mich nun auch nicht als den größten Fußballfan aller Zeiten bezeichnen, aber nach diesem Abend stand eines für mich fest: mein Ghana-Aufenthalt wird fußballlastig.
Gesagt – getan. Am Sonntag darauf habe ich mir das Hearts of Oak Team im Ohene Djan Stadium in Accra angesehen. Und obwohl das Spiel gegen Essiens Jugendverein Liberty Professionals eher langweilig war, habe ich den Aufenthalt im Stadion sehr genossen. Denn hier liegt die Priorität ganz klar beim Fußball. Gute zwei Stunden, ohne angesprochen zu werden oder einen Heiratsantrag zu bekommen. Was soll ich am Strand? Das Fußballstadion ist seit dem mein persönlicher Ort der Ruhe und Entspannung.
Hjördis Hoffmann
Mai 25th, 2009 at 13:57
Da bekomme ich ja sogar Lust Fussball zu schauen.
Mai 25th, 2009 at 23:22
Du schreibst super Herz! weiter! mehr! mehr! mehr!