Archive for Mai, 2009

Zu Gast in Ghana - Ksss

Freitag, Mai 29th, 2009

 

“Ksss. Ksss.”

Als ich dieses Geräusch das erste Mal in Ghana hörte, habe ich den Verkäufer, der es produzierte, mit dem gleichen entnervten Blick gestraft, den ich lästigen Wesen in Berlin zuwerfen würde, die „Ksss…Süße…“ für eine charmante Möglichkeit der Kontakaufnahme halten.

Mittlerweile bin ich mehr als froh, dass ich es bei dem Blick belassen habe und nicht noch, wie ich es in Deutschland vielleicht getan hätte, eine weniger freundliche Bemerkung in Richtung des Verkäufers gedonnert habe. „Ksss“ ist in Ghana nämlich ein ganz üblicher Weg, andere auf sich oder, im Falle des Verkäufers, auf die eigene Ware aufmerksam zu machen.

Wider Erwarten habe ich mich in den letzten Wochen selbst zu einer engagierten Nutzerin dieses Lautes entwickelt. Nicht, dass ich keine Bedenken mehr hätte, eine Kellnerin mit „Ksss“ anstatt mit einem zaghaften „Excuse me“ anzusprechen, aber manchmal bleibt einem kaum etwas anderes übrig. Denn ein höfliches Lächeln meinerseits wird zwar stets mit einem Lächeln erwidert, aber es führt nicht zwangsläufig zu einer Aufnahme meiner Bestellung. In einigen Fällen hätte es mich nicht einmal gewundert, wenn die Kellnerin einfach nur zurückgewunken hätte und dann einfach wieder, ohne ein Wort zu verlieren, in der Küche verschwunden wäre. Ein kurzes „Ksss“ beschleunigt den Bestellvorgang um einiges und wird scheinbar, im Gegensatz zum Gebrauch der linken Hand, die ich seit meiner Ankunft in Ghana verzweifelt versuche unter Kontrolle zu bringen, keineswegs als unhöflich empfunden.

Hjördis Hoffmann

Zu Gast in Ghana - Malariaprophylaxe

Dienstag, Mai 26th, 2009

flagge1.jpgVor einer Reise nach Westafrika wird einem dringlichst zu einer Malariaprophylaxe geraten. So gehörte die Einnahme eines solchen Präparats ebenso zu den Reisevorbereitungen meines dreimonatigen Ghana Trips, wie die Gelbfieberimpfung. Doch Prophylaktikum ist hier nicht gleich Prophylaktikum. Nahezu die erste Frage, die mir in Ghana gestellt wurde, war: „Und? Nimmst Du Lariam?“ Die Bejahung wurde dann mit einem besorgten Gesicht und „Oh. Naja, gucken wir mal wie es Dir in einer Woche geht.“ beantwortet.

Ich muss gestehen, dass mich die aufgelisteten Nebenwirkungen von Medikamenten nie sonderlich beeindrucken und ich insgeheim davon ausgehe, dass diese nur für gebrechliche Menschen oder Hypochonder bestimmt sind. Da beides nicht auf mich zutrifft, habe ich mir auch bei dieser Malariaprophylaxe, die laut Packungsbeilage unter anderem paranoide Zustände und Verfolgungswahn hervorrufen kann, keine Sorgen gemacht. Als ich allerdings zwei Tage später die Übernachtung in einem Strandhaus in dem Örtchen Kokrobite damit verbrachte, aufrecht in meinem Bett zu sitzen und den Wind vor meinem Fenster für einen Mörder zu halten, der unaufhörlich „I´ll come and get you“ flüsterte, war der Entschluss die Tabletten abzusetzen doch recht schnell gefasst.

Zurück in Accra suchte ich dann die von meinem Institut empfohlene Ärztin auf, um mir ein anderes Medikament verschreiben zu lassen. Der Besuch bei Frau Dr. Ansafo-Mensah war schon ein kleines Erlebnis. Nachdem ich meinen Namen auf einen kleinen Zettel geschrieben hatte, kam eine nette Sprechstundenhilfe und maß mitten im Wartezimmer Blutdruck und Temperatur (unterm Arm, versteht sich). Das Fieberthermometer wurde dann, vor der Begegnung mit der Achselhöhle meines Sitznachbars, hygienischerweise mit einem Wattebausch abgewischt. Ja, lecker. Die Kommunikation zwischen Ärztin, Patienten und Sprechstundenhilfen erfolgte über Klingelzeichen. Einmal klingeln: Nächster Patient. Zweimal klingeln: Sprechstundenhilfe. Nach jedem „Einmal-Klingeln“ rückte man dann einen Stuhl weiter in Richtung Sprechzimmer. Zwischen Aufrücken und Warten konnte ich mir die Zeit damit vertreiben, die verschiedenen Plakate und Aufkleber zu studieren, die im Wartezimmer angebracht waren. Während ich mich fragte, was ich nun von der Kombination der Viagra-Werbung und dem daneben hängenden Verweis auf Safer Sex halten sollte, kniff mir die ganze Zeit ein niedliches, kleines Kind in den Arm und amüsierte sich königlich. Ja, schon witzig so eine weiße Frau. Zwei Stunden, ein paar Kniffe und „Einmal-Klingeln“ später bekam ich dann mein neues Medikament. Und obwohl ich den Arztbesuch wirklich ganz unterhaltsam fand, hoffe ich trotzdem, dass ich mich zukünftig wieder auf meine Nebenwirkungs-Resistenz verlassen kann.

Hjördis Hoffmann

Zu Gast in Ghana - Fußball

Montag, Mai 25th, 2009

Essien, Essien, Essien. Diesen Namen habe ich seit meiner Ankunft in Ghana fast häufiger gehört, als meinen eigenen. Und das liegt weniger daran, dass man meinen Namen hier nicht aussprechen kann, sondern viel mehr an der Tatsache, dass der ghanaische Fußballspieler, der zur Zeit für den FC Chelsea spielt, so etwas wie ein Nationalheld ist.

So sind die Aukleber der lokalen Fußballvereine, mit denen Taxifahrer zu verstehen geben, ob sie nun ein Fan des Tabellenführers Hearts of Oak oder des z.Zt. weniger erfolgreichen Teams Asante Kotoko sind, nahezu immer von einem Aufkleber des FC Chelsea begleitet. Da man hier in Accra recht häufig Taxi fährt und mein übliches Smalltalk-Thema, das Wetter, doch recht schnell langweilig wird („Tolles Wetter!“ – „Ja, natürlich! Wie immer.“), deute ich also immer auf den jeweiligen Aufleber und sage: „You like football, mh?“. Und schon ist man im Gespräch. Aufgrund der im Taxi sitzenden Deutschland-Ghana Kombination, landet man auch sehr schnell bei der WM 2006. Strahlend und euphorisch wird einem dann berichtet, was in Ghana los war, als das Nationalteam den erfolgreichen Underdog gab und seinem Land somit ein ganz eigenes Sommermärchen bescherte.

Dass Fußball in Ghana „ganz groß“ ist, hat man mir schon vor meiner Abreise aus Deutschland gesagt. Und seit dem Champions-League Halbfinale, dass ich am Mittwoch vor drei Wochen beim Public Viewing in Accra gesehen habe, weiß ich nun auch, was mit „ganz groß“ gemeint war. Das Spiel: Chelsea gegen Barcelona. Und wer schoss das erste Tor? Natürlich Essien. Die Stimmung, die dann im Innenhof der Accra Mall und auch vor den Fernsehern in den Geschäften ausbrach, lässt sich nur schwer in Worte fassen und daher möchte ich das an dieser Stelle auch gar nicht erst versuchen. Ich würde mich nun auch nicht als den größten Fußballfan aller Zeiten bezeichnen, aber nach diesem Abend stand eines für mich fest: mein Ghana-Aufenthalt wird fußballlastig.

Gesagt – getan. Am Sonntag darauf habe ich mir das Hearts of Oak Team im Ohene Djan Stadium in Accra angesehen. Und obwohl das Spiel gegen Essiens Jugendverein Liberty Professionals eher langweilig war, habe ich den Aufenthalt im Stadion sehr genossen. Denn hier liegt die Priorität ganz klar beim Fußball. Gute zwei Stunden, ohne angesprochen zu werden oder einen Heiratsantrag zu bekommen. Was soll ich am Strand? Das Fußballstadion ist seit dem mein persönlicher Ort der Ruhe und Entspannung.

Hjördis Hoffmann

Zu Gast in Ghana - Modehauptstadt Accra

Sonntag, Mai 24th, 2009

lokko.jpgWer denkt, dass sich Ghanas Modewelt nur um buntbedruckte Kleider dreht, liegt weit daneben. Ich bin eigentlich auch nicht davon ausgegangen, dass ich als kleiner Streetwear Addict in Ghana auf meine Kosten komme. Aber gerade was dieses Thema betrifft, lasse ich mich nur zu gerne eines Besseren belehren.

Beim Rumschlendern durch Accra bin ich auf „lokko08 – original ACC“ gestoßen. Nahezu alle T-Shirt-Motive nehmen, mehr oder weniger offensichtlich, Bezug auf Ghana und seine Hauptstadt und sollen somit den „local flavour“ der Marke betonen. Und da ich eine überzeugte Unterstützerin der These „Jedes Souvenir, das man anziehen kann, ist ein gutes Souvenir“ bin, konnte ich es natürlich nicht verantworten den Laden ohne ein neues Shirt zu verlassen.

Generell sollte man die Bedeutung, die Ghana für die afrikanische Modewelt hat, nicht unterschätzen. So lädt Accra vom 01. bis zum 04. Juli 2009 mit dem Ghana Fashion Weekend zu einem der größten Mode Events in Westafrika ein. 30 Designer aus Afrika, den USA und England werden sich die Ehre geben und ihre Kollektionen auf einer der zahlreichen Modeschauen und –austellungen präsentieren. Und das Vertrauen der Ghanaer in ihre Modeszene ist groß. So geht die Tourismusministerin Ghanas davon aus, dass sich Accra in den nächsten Jahren zur Modehauptstadt Afrikas entwickeln wird. Man darf gespannt sein.

Hjördis Hoffmann

Zu Gast in Ghana

Freitag, Mai 22nd, 2009

img_5599.jpgWenn meine Familie und meine Freunde etwas an mir ändern dürften, dann wäre es wahrscheinlich die Eigenschaft, mich nur allzugerne dem Fernweh hin- und ihm so oft es geht auch nachzugeben. Da ich mich als dickköpfiger Widder jedoch nicht gerne ändern lasse (und dafür lieben sie mich ja eigentlich auch), gab es nach meinem Bachlor-Abschluss nicht viel, was mich davon hätte abhalten können, Deutschland wieder für einige Zeit zu verlassen. Und frei nach dem Motto “wenn schon denn schon”, sollte es auch bitte kein europäisches Land sein, sondern eines, das man erst einige Flugstunden und, aufgrund meiner Flugangst, auch einige Panikattacken später erreicht: Ghana. Es liegen also drei Monate in dem Land vor mir, das gerne als Vorzeigeland Westafrikas betrachtet wird. Und da ich schon als Kind gelernt habe, dass Teilen etwas sehr schönes ist, möchte ich meine Erlebnisse natürlich nicht für mich behalten. Und daher gibts hier im Gazelle Blog alles zu lesen :-)

Hjördis Hoffmann